EA Vianden

Bücher gehören wohl zu den genialsten Dingen, die man aus Holz herstellen kann. Abgesehen von Whisky-Fässern. Ich finde, Whisky-Fässer müssen hier dringend erwähnt werden.

Bevor oder falls ich auf Whisky eingehe, möchte ich meine erste Begegnung mit einem Buch beschreiben. Ich bin zwar wesentlich eher introvertiert, aber war schon immer neugierig wie Henne.
Als ich vier Jahre alt war, muss ich meine Mutter derart mit Fragen zu unnützem Wissen, das ich noch nicht hatte, genervt haben, dass sie mir kurzerhand das Lesen beibrachte und mich mit meinem neuen Lieblingsgegenstand bekannt machte: das Lexikon. Wenn ich was wissen wollte, sollte ich zuerst da nachsehen. In Bezug auf die pädagogische Betreuung von Kleinkindern war das vielleicht etwas fragwürdig, aber ich bin meiner Mutter dennoch heute noch dankbar dafür. Sie kaufte mir
damals auch immer die beliebten Schneider-Bücher in Schreibschrift, die ich verschlungen habe.
Bei all den Geschichten, die ich als Kind gelesen habe, war es eigentlich nur logisch und folgerichtig, dass ich begann, selber welche aufzuschreiben. Die ungelenke Handschrift und die fantasiereiche
Interpretation der Rechtschreibung lässt mich immer wieder lachen, wenn ich mir meine Machwerke im Haus meiner Eltern ansehe.

Später habe ich meine arme Deutschlehrerin immer wieder genervt, die sich meine Geschichten angesehen hat. Das war quasi meine erste Erfahrung mit einem Lektorat. Sie gab mir Tipps zur Erzählstruktur und zur Charakterentwicklung.
Von da an ließ mich die Sache mit dem Schreiben nicht mehr los. Es ist bis heute auch ein Weg für mich, meine Gedanken, die ich zu den Dingen habe, die einem so im Alltag begegnen, verarbeiten kann. Andere treffen sich mit Freunden zum Quatschen, ich schreibe.

»Für mich ist das Schreiben, das Entwickeln von Charakteren, deren Gedanken und Betrachtungen des Lebens, ein ganz essentieller Teil meines Lebens.«
Wir schreiben queer
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Ebenso eine Begebenheit war es auch, die mich im Sommer 2018 eine längere Geschichte anfangen ließ zu schreiben. Irgendwie kam eins zum anderen und rubbeldiekatze, hatte ich einen kompletten Roman fertig. Freunde haben ihn gelesen und mich dazu ermutigt, ihn zu veröffentlichen. Was mir alleine nie in den Sinn gekommen wäre, wurde dann ganz plötzlich Realität. „Wasserkreise“ war geboren und ich hab mich gefreut wie Fuchs auf Klassenfahrt, als ich bemerkt habe, dass andere – und besonders fremde – Menschen lasen, was ich geschrieben habe. Und es auch noch gut fanden.

Wenn ein Fuchs ein Buch schreiben würde, ginge es in ihm vermutlich um Füchse. Ich bin ein schwuler Mann und damit sind die Storylines und die Protagonisten meiner Geschichten immer gay.
Ich bin eben in der queeren Community sozialisiert und weiß, wie sie tickt, was Schwule denken und woran sie lieber nicht denken. Was liegt da näher, als genau das in meine Bücher zu bringen? Ich bewege mich in zwei verschiedenen (queeren) Genres. Zum einen Coming-of-Age-Geschichten
(Wasserkreise handelt vom Erwachsenwerden einer kleinen Gruppe Jungs, die zufällig in ein Verbrechen hineingeraten) und zum anderen (Urban-)Fantasy. Da mein Schreibstil oft witzig bis zynisch ist, fühle ich mich im Urbanfantasy-Genre ziemlich wohl.

Für mich ist das Schreiben, das Entwickeln von Charakteren, deren Gedanken und Betrachtungen des Lebens, ein ganz essentieller Teil meines Lebens. Der Reiz für mich liegt darin, die Nuancen des Zwischenmenschlichen darzustellen, die uns alle ja prägen. Das führt dann auch dazu, dass meine Protagonisten keine Helden in strahlender Rüstung sind. Sie sind immer mit Makeln behaftet, zweifeln an sich oder haben auch mal Angst; sind menschlich. Oft sind sie aber auch derb und
anzüglich, was mir beim Schreiben immer besonderen Spaß macht. Das Feedback von meinen Leser_innen zu solchen Charakteren zeigt mir, dass genau solche Leute authentisch wirken.

Wenn ich mit meinen Geschichten Leser_innen berühren kann, sie mitreiße, zum Lachen oder zum Weinen bringe, dann ist das für mich mehr wert, als die Einnahmen eines Buches. Somit verliere ich nie den Spaß am Schreiben.
Komm doch zu Instagram und lern mich und meine Geschichten kennen. Dort gibt es Infos zum Entstehungsprozess und Einblicke in meinen alltäglichen Wahnsinn.

Von Whisky erzähle ich irgendwann mal.

Text & Bilder © EA Vianden;
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