23. Juli 2024

Der einsame Prinz | Achim Diermeier

Leseprobe

›Der einsame Prinz‹
Achim Diermeier

Klappentext:

Durch Trauer und Verzweiflung zum Happy End

Der junge Prinz Alberich ist untröstlich: Sein über alles geliebter Mann ist tot. Wie soll das Leben ohne ihn nur weitergehen?
Alberich verliert jeglichen Lebensmut, isst und trinkt nicht mehr und zieht sich vor der Welt zurück. Da steht eines Abends der Gemahl als Geist vor dem Bett des Prinzen und drängt ihn, sich einen neuen Partner zu suchen. Um die Seele seines verstorbenen Geliebten zu retten, macht sich der Prinz schließlich widerstrebend daran, den richtigen Mann zu finden. Dies erweist sich jedoch als nahezu unlösbares Unterfangen.
Zum Glück ist Alberich auf seiner Suche nicht allein: Die kluge Königinmutter, das magische Kräuterweiblein und nicht zuletzt eine weiße Taube stehen ihm tatkräftig und Mut machend zur Seite…

Im Tonfall klassischer Märchen à la Grimm und Andersen erzählt „Der einsame Prinz“ von sehr aktuellen Themen wie dem Umgang mit Verlust, Trauer, Depression und toxischer Männlichkeit und macht gleichzeitig Mut, zu sich und den eigenen Emotionen und Überzeugungen zu stehen.

© Achim Diermeier

Einst lebte in einem prächtigen Schlosse ein junger Prinz, Alberich genannt, mit seiner Mutter, dem war sein Gemahl bei einer Jagd von einem wilden Schweine aufgespießt und getötet worden.
Der Prinz war untröstlich, denn er hatte seinen Mann über alles geliebt. Einen ganzen Monat lang wurde für das gesamte Land eine Trauer angeordnet. Bei Strafe war es verboten zu lachen, zu singen und zu musizieren. Die Fahnen wurden auf Halbmast gesetzt und auch nicht die kleinste Kirchenglocke wagte zu läuten. Da waren die Menschen des Königreiches betrübt und sorgten sich sehr.
Der Prinz jedoch ließ in der schönsten Ecke seines Schlossgartens, unter einem Baume, eine prächtige Grabstelle für seinen toten Gemahl errichten, die war mit Silber und Gold eingefasst und mit Diamanten besteckt, die blinkten im Sonnenlicht.
Jeden Tag nun ging er mit einer roten Rose zum Grabe, sank auf die Knie und weinte bitterlich. Dann fielen seine Tränen zu den glitzernden Diamanten und keiner, selbst der liebe Herrgott nicht, vermochte sie mehr auseinander zu halten.
Im Baume neben dem Grab nistete aber ein weißes Täubchen, das flog ein jedes Mal flink hinab auf des Prinzen Schulter und schmiegte den Schnabel an seine Wange, ihn zu trösten.
Jedoch dem Prinzen ward das Herz so schwer, dass ihm jede Lebenslust verging und er weder aß noch trank. Des Nachts lag er voll Kummer wach und tat kein Auge zu. Die gute Königin aber sah, wie ihr Sohn sich grämte, und wusste ihm nicht zu helfen.
Als der junge Prinz eines Abends mit offenen Augen in seinem Schlafgemach lag, da stand vor dem Bette mit einem Male sein geliebter Ehemann und sprach:

„Alberich, Alberich,
hör mich an und weine nicht.
Deine Liebe tröstet mich,
Deine Trän’ zerreißet mich.
Lieb mich stets und halt mich teuer,
doch such Dir einen neuen Freier.
Erst wenn ich Dich kann glücklich sehen,
wird meine Seel’ zu Gott hin gehen.
Doch denke: Nur ein richt’ger Mann,
mich zur göttlichen Ewigkeit bringen kann.“

Der Prinz war vor Freude außer sich, seinen Gemahl unversehrt und wie in alten Tagen zu sehen, und wollte ihn umarmen. Da aber stieg die Morgensonne über die Berge und gerade als er ihn greifen wollte, war dieser verschwunden.
Da dachte der Prinz: „Nun, es wird wohl nur ein Traum meines betrübten Herzens gewesen sein“, und erzählte niemandem davon.
In der nächsten Nacht erschien dem Prinzen abermals sein geliebter Gatte und sprach:

„Alberich, Alberich,
hör mich an und weine nicht.
Deine Liebe tröstet mich,
Deine Trän’ zerreißet mich.
Lieb mich stets und halt mich teuer,
doch such Dir einen neuen Freier.
Erst wenn ich Dich kann glücklich sehen,
wird meine Seel’ zu Gott hin gehen.
Doch denke: Nur ein richt’ger Mann,
mich zur göttlichen Ewigkeit bringen kann.“

Wieder war der Prinz hocherfreut, seinen verstorbenen Mann zu sehen. Doch gerade, als er ihn herzen und halten wollte, krähte draußen ein Hahn und alles war verschwunden.
Da dachte der Prinz: „Nun, es wird wohl nur ein Traum meines wunden Magens gewesen sein“, und erzählte niemandem davon.
Die Nacht darauf erschien der Gemahl des Prinzen erneut und sprach:

„Alberich, Alberich,
hör mich an und weine nicht.
Deine Liebe tröstet mich,
Deine Trän’ zerreißet mich.
Lieb mich stets und halt mich teuer,
doch such Dir einen neuen Freier.
Erst wenn ich Dich kann glücklich sehen,
wird meine Seel’ zu Gott hin gehen.
Doch denke: Nur ein richt’ger Mann,
mich zur göttlichen Ewigkeit bringen kann.“

Abermals versuchte der junge Prinz, die Erscheinung zu fassen, bevor sie ihm entschwinden konnte, und er meinte bereits, das vertraute, duftende Haar in seinen Fingern zu halten, da trat die Kammerzofe ins Zimmer, die gekommen war, ihren Herren anzukleiden, und das geliebte Bild zerrann vor seinen Augen.
Wütend warf er da das Bettgeschirr an die Wand hin, dass es klirrend in Stücke sprang und die arme Kammerzofe schreiend das Weite suchte.
Nun war der Prinz freilich recht verzweifelt und sann darüber nach, wie es ihm gelingen mochte, seinen teuren Mann dauerhaft bei sich zu haben, denn nichts ersehnte er mehr, als wieder mit ihm in dem Schlosse zu leben.
Am nächsten Abend ließ der Prinz daher schwarzen Stoff vor seine Fenster hängen, der war so fest, dass nicht der kleinste Sonnenstrahl hindurch kam. Auch ließ er das gesamte Schloss in drei Lagen Watte hüllen, sodass kein Geräusch mehr ins Zimmer gelangen konnte. Vor der Tür aber standen zehn Wachen, die dafür zu sorgen hatten, dass sich niemand dem Schlafgemach näherte.
In der Nacht erschien der Gemahl des jungen Prinzen erneut und sagte sein Sprüchlein auf. Aber als der Prinz seinen Ehemann halten mochte, verging dieser wie weißer Rauch und verschwand.
Da erkannte der Prinz, dass alle Mühen umsonst gewesen waren, und weinte bitterlich.
Endlich konnte er sein Geheimnis nicht länger bei sich behalten und erzählte alles seiner Mutter, der Königin. Diese war eine kluge Frau, hörte ihm ruhig zu und sprach: „Ich kann Dein Leid verstehen, lieber Sohn. Nun hat aber Dein verstorbener Gemahl große Mühen unternommen, Dir etwas zu sagen. Erinnerst Du seine Worte? Mögen sie auch voller Rätsel sein, so haben sie vielleicht doch die Macht, Deine Schmerzen zu beenden.“

[Der einsame Prinz; auch als Hörbuch erhältlich.
Datum der VÖ: 26. Juli 2023]

© Text & Cover: Achim Diermeier
Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung.
Unbezahlte Werbung.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Um den Kommentar abzuschicken, ist die Angabe eines Nutzernamens und der E-Mailadresse erforderlich. Die E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Eine Speicherung der IP-Adresse erfolgt nicht.

Nutzer*innen, welche die Kommentarfunktion in Anspruch nehmen, erklären sich mit dem Absenden ihres Kommentars ausdrücklich damit einverstanden, dass ihr Kommentar mit dem gewählten Nutzernamen, dem entsprechenden Datum und der Uhrzeit unter dem jeweiligen Beitrag unseres Internetauftritts öffentlich lesbar sein wird.

Um einen Kommentar zu löschen oder zu korrigieren, wird gebeten, Kontakt mit der Website-Administration via info@wir-schreiben-queer.de aufzunehmen.
Aus Sicherheitsgründen wird der Kommentar erst sichtbar sein, wenn er von uns gesichtet, überprüft und manuell von uns freigeschaltet worden ist.