24. Juni 2024

Silja Zachian

Was erzählt man über sich? Das ist immer die Frage…

Ich bin ein Chaoskind, absolut. Das liegt wahrscheinlich am Künstlergen. Meine Mutter war eine wahre Künstlerin an der Nähmaschine und malt abstrakt. Mein Vater war Konditor. Ein Beruf, den ich auch in den künstlerischen Sektor einstufe, denn – habt ihr schon mal gesehen, was diese Menschen aus ein bisschen Zucker und Marzipan erschaffen können?
Nun, bei mir tritt das Gen mit Zeichnen und Schreiben hervor. Schon als Kind habe ich gerne Geschichten erfunden und erzählt, wenn das Wetter uns Kinder aus der Siedlung wieder mal in den Keller gezwungen hatte.

Seit einigen Jahren schreibe ich diese Geschichten nieder. Da mir das Schreiben allein nicht reicht, zeichne ich nebenher die Charaktere oder andere Dinge, die zur Geschichte gehören.
Für mich ist Toleranz eine Selbstverständlichkeit. Wo die Liebe hinfällt, da passt sie auch. Altersunterschiede? Geschlecht? Wen interessiert es, wenn sich zwei Menschen wirklich lieben? Es sollte niemanden interessieren!

Im Laufe der Zeit wurden meine Geschichten immer queerer. Das liegt vielleicht daran, dass ich mit meinem eigenen Geschlecht nicht so richtig klarkomme. Auch wenn ich mich brav an die „gesellschaftlichen Zwänge“ gehalten habe, da mich das Leben selbst dazu gezwungen hat. Ich bin Mutter von 3 Kindern und Oma von 2 Enkelkindern.
Die Schicksalsgötter haben es mir nicht gerade leicht gemacht. Vielleicht faszinieren mich deshalb die dunklen Abgründe der Seelen, die düsteren Ecken der Herzen so sehr. Aber auch Märchen aus alten Legenden zu spinnen macht mir unheimlich Spaß.

Heute lebe ich in den tiroler Bergen, etwas außerhalb des nächsten Dorfes. Ja, im Winter wird das Einkaufen fahren manchmal zum Abenteuer, aber ein wenig Nervenkitzel belebt. Ich mag die Ruhe in der Natur und die Stille der Einsamkeit.

»Für mich ist Toleranz eine Selbstverständlichkeit. Wo die Liebe hinfällt, da passt sie auch.«
Wir schreiben queer
Netzwerk queer-schreibender Autor*innen

Warum es von mir kaum Fotos gibt? Das kannst du dir vermutlich jetzt denken. Ich mag mich nicht. Also meinen Charakter schon. Ich bin ein abgrundtief ehrliches Arschloch (Zitat meiner Mutter) und ecke damit oft an, obwohl ich es eigentlich nicht böse meine.
Dafür liebe ich meine Zeichnungen, und ich weiß, nicht nur ich.  ^^
Alle Zeichnungen auf Covern, in Büchern oder auch mal von mir irgendwo gezeigt – stammen aus meinen Fingern. Also everytime Copyright by me.

Was gibt es noch zu erzählen von mir?
Nach einem Ausflug zu einem Kleinverlag, bin ich im Selfpublishing gelandet und werde dort auch bleiben. Zu viel Streß, zu viel Druck und zu schlechte Erfahrung haben mich geprägt.

Anfang Juni haben zwei liebe Kolleginnen und ich uns zusammengetan. Miteinander statt Gegeneinander. So entstand die Autorengemeinschaft Nightwolve-Books, unter deren Banner wir nun unsere Bücher veröffentlichen. Wir helfen einander, unterstützen uns mit den Fähigkeiten, die wir nun einmal mitbringen und spornen einander an, noch bessere Geschichten zu erzählen. Wir schreiben alle drei queer beziehungsweise anders. A. J. Nightwolve hat auch Bikergeschichten zu bieten, die zwar nicht queer sind, doch besondere Menschen als Protagonisten haben. Anna Kleve schreibt wundervolle Gay-Fantasy-Geschichten und ich selbst schreibe kreuz und queer. Nicht jedes meiner Bücher ist wirklich im Gay einzuordnen. Bunt wie der Regenbogen ist meine Devise. Vielleicht kann ich so ein wenig die modernen Toleranzgrenzen verschieben.
Jemand hat einmal gesagt: „Solange wir träumen, leben wir.“
Nun. Da sage ich dazu: „Ich gebe den Menschen Stoff zum Träumen.“

Um euch das Chaoskind zu verdeutlichen – wie schreibe ich?

A) Mir kommt eine Idee…
B) Ich schreibe den Klappentext aufgrund dieser Idee – und ja, der bleibt dann so.
C) Ich schreibe wild drauflos, habe keine Ahnung, wo die Geschichte hingeht und bin oft selbst hin und weg, was da im Manuskript so alles passiert. Habe ich einen Plan, dem ich folgen will, kommen meine Protagonisten und werfen ihn über den Haufen.
D) So ganz nebenbei zeichne ich dann die Deppen, um mich besser in sie hineinversetzen zu können. Und weil es dann immer einige Bilder gibt, mache ich daraus das Cover. So sind meine Cover inzwischen mein Markenzeichen geworden und ich finde, sie machen sich wirklich gut in einem Bücherregal!

Bei mir gibt es keine Musiklisten oder ähnliches, weil ich beim Schreiben absolute Ruhe brauche. Musik höre ich nur, wenn ich zeichne, aber da bin ich sowieso ganz weit weg. Fast wie bei einer Meditation. Da übersehe ich dann auch gerne mal die Zeit und bin entsetzt, wenn die Uhr schon wieder irgendwo nach Mitternacht anzeigt.
Das war es eigentlich schon von mir. Vielleicht guckt ihr das eine oder andere Buch von mir an, lest hinein und findet es doch spannend und interessant.

Eure Silja!

 
Text & Bilder © Silja Zachian;
mit freundlicher Genehmigung.
Unbezahlte Werbung.