22. Mai 2024

Schattenjunge | Vaelis Vaughan

Leseprobe

›Schattenjunge‹
Vaelis Vaughan

Klappentext:

Jessie und Levin sind seit der Oberstufe des Gymnasiums beste Freunde, obwohl sie nicht viel gemeinsam haben. Im Grunde eint sie nur ihre Vorliebe für attraktive Männer und die Sehnsucht, der homophoben Kleinstadt, in der sie leben, schnellstmöglich den Rücken zu kehren. Ihr Plan, eine Zweier-WG in der Großstadt zu gründen, gerät jedoch ins Wanken, als der extrovertierte Jessie, kurz vor den Prüfungen zum Abitur, einen heißen Beachboy im Internet kennenlernt und sich in ihn verliebt. Aufgeregt vereinbart er nur wenig später ein Treffen mit seinem Schwarm, doch nach dieser Begegnung verschwindet er spurlos. Levin kann und will nicht glauben, dass ihn sein Freund ohne ein Wort zurückgelassen hat, um mit dem Fremden durchzubrennen, auch wenn alle anderen genau davon überzeugt sind. Er beschließt, ihn auf eigene Faust zu suchen, aber was er dabei herausfindet, übertrifft seine schlimmsten Befürchtungen.

Warnung: Diese Geschichte beinhaltet mehrere explizite, sexuelle Szenen und ist auf ihre ganz eigene, besondere Art ironisch, witzig und romantisch. Trotzdem ist sie in erster Linie ein klassischer Thriller und enthält daher auch Handlungsstränge, die für sensible Menschen vielleicht verstörend sind. Eine Auflistung der einzelnen Trigger findest du im Impressum, diese spoilern jedoch Teile der Story und könnten dich gegenüber einigen Protagonisten voreingenommen werden lassen!

© Vaelis Vaughan

Ich sinke zurück aufs Laken. Meine Finger entspannen sich, lassen los und meine Linke rutscht über die Kante, wo sie den kühlen Boden berührt.
Ian küsst sich an meinem Bauch empor, steigt über mich und nimmt meine Rechte, um sie an seinen Harten zu legen, der ungeduldig nach Zuwendung lechzt. „Würdest du …?“, bittet er leise und ich beginne sofort, ihn zu wichsen, was ihm ein dumpfes Keuchen entlockt.
„Komm her“, flüstere ich, greife blind mit der freien Hand in seinen Nacken und ziehe ihn zu mir runter, damit er den Kopf neben mich ins Kissen legt. Plötzlich umarmt er mich fest unter meinem Rücken und vergräbt die Finger der anderen Hand in den Haaren an meinem Hinterkopf. Er presst mich an sich, stöhnt mir mit seiner tiefen Stimme ins Ohr und ich bearbeite seinen geilen Schwanz immer fester. Es ist fast unwirklich, dass dieser harte Pfahl gestern in mir gesteckt hat, und ich sehne mich jetzt schon danach, ihn nochmal zu spüren.
Plötzlich stoßen seine Hüften nach vorn, ich bilde mit beiden Händen einen engen Kanal und Ian hämmert seinen Harten vollständig rein und raus. So dauert es nicht lange, bis auch er seinen Orgasmus erreicht und mehrere fette Patscher auf meinem nackten Bauch landen.
Als ich ihn loslasse, sinkt er schwer atmend neben mich und zieht die Decke über uns beide.
„Na? Immer noch Kopfschmerzen?“, haucht er mir erschöpft zu und ich merke erst jetzt, dass sie deutlich besser geworden sind.
„Nicht mehr so schlimm wie vorher“, gebe ich zu und hole mir noch einen Kuss. „Du bist so unglaublich geil“, raune ich ihm angeregt entgegen und spüre dabei sein Grinsen an meinen Lippen.
„Und du erst.“ Er seufzt tief und presst mich erneut an sich, obwohl ich so vollgeschlotzt bin. „Weißt du, was ich an dir am besten finde? Du bist so … natürlich­. Du verstellst dich nicht und scheinst wirklich ein ehrlicher, lieber Kerl zu sein …“ Er lacht und tippt mir auf die Nase. „Genau deshalb hab ich gestern beschlossen, dich zu behalten.“
Ich pruste kurz und küsse ihn noch einmal, während ich mit den Fingern durch seine Haare fahre und dabei seine großen Narben streife. „Ich würde dich auch gerne behalten … oder mitnehmen … aber das geht ja leider nicht.“ Fast möchte ich ihn fragen, ob er nicht mit mir in die Staaten kommen will, doch da schleicht sich der Kopfschmerz wieder zurück in mein Hirn. „Ich brauche jetzt trotzdem erst mal ein Glas Wasser und eine Aspirin“, teile ich ihm mit und will mich erheben. „Der Blowjob war zwar echt der Hammer, aber leider -“ In diesem Moment rutscht meine Hand von der erstaunlich schmal gewordenen Matratze und erneut landen meine Finger auf dem kühlen, harten Boden. Diesmal nehme ich ihn bewusst wahr und erstarre für einen Augenblick, während ich den hölzernen Untergrund befühle.

‚Wo ist mein Teppich?‘
Einen Moment komme ich mir vor wie im falschen Film. Es gibt keine Erklärung dafür, warum mein Bett plötzlich auf einem Holzboden steht, und selbst wenn jemand meinen Teppich entfernt hätte, befände sich darunter Beton. Jetzt fällt mir auch auf, dass die Matratze viel zu niedrig liegt, denn alleine die großen Fächer unter meinem Lattenrost sind gut sechzig Zentimeter hoch. Hektisch taste ich den Rahmen ab und stelle fest, dass es sich hier nur um ein flaches Gestell aus fasrigen Holzplatten handelt, bei denen ich aufpassen muss, mir keinen Splitter einzureißen.
‚Aber … das ist doch unmöglich! Ich weiß genau, dass wir in meinem Zimmer eingeschlafen sind! Ist das ein Traum? Kann ich deshalb nichts sehen?‘
Ich kenne es aus früheren Albträumen, dass ich darin mit irgendetwas zu kämpfen habe, was im Wachzustand kein Problem für mich ist. Zum Beispiel, dass meine Beine schwer wie Blei sind und ich kaum die Füße hochkriege, oder dass ich nicht sprechen kann und nur Zischlaute herausbekomme. Aber das hier ist anders! In einem Traum weiß ich nicht, dass ich träume, und habe auch keine Schmerzen­!
Es dauert eine Weile, bis ich verstehe, was das bedeutet. Als mein Verstand endlich begreift, dass ich wirklich nicht mehr in meinem Zimmer bin, bekomme ich Panik.
„Ian …“, bringe ich bebend hervor und wage kaum zu fragen. „W-wo sind wir?“
„Bei mir“, antwortet er, als sei das absolut selbstverständlich. „Keine Angst, ich hab ein paar von deinen Sachen mitgenommen, die stehen da drüben. Klamotten, CDs, Bücher und so. Nach dem Frühstück kannst du dich erst mal einrichten.“
„E-Einrichten?“ Warum teilt er mir das mit, als sei es das Normalste der Welt?„Wie … wie bin ich hierhergekommen?“
„Mit dem Taxi“, klärt er mich auf. „Zwei Taxis, um genau zu sein. Eins von dir nach Charlottenburg und ein zweites von dort zu mir. Der Sicherheit wegen. War natürlich etwas umständlich. Du hast mir im Arm gehangen wie ein nasser Sack und warst komplett weg, obwohl du nur zwei Schluck getrunken hast.“
‚Zwei Schluck? Ich hab vier Gläser gesoffen! Nur von dem letzten habe ich … Scheiße! Der Wichser hat mir tatsächlich K.o.-Tropfen in die Weinpansche gemacht?! Das war gar kein verdammter Scherz?!‘
Alles in mir schreit danach, auszurasten und ihn anzubrüllen, ob er noch alle Tassen im Schrank hat. Offensichtlich nicht, sonst hätte er mich wohl kaum entführt. Genau aus dem Grund ringe ich um Beherrschung. Er wird nicht kooperieren, wenn ich ihn anbrülle und beleidige. Inzwischen müssen ja bereits an die vierundzwanzig Stunden vergangen sein, denn ich kann mir nicht vorstellen, dass er das alles innerhalb einer Nacht bewerkstelligt hat.
„Ka-Kannst du mir sagen, wie spät es ist?“, beginne ich so gefasst wie möglich, doch meine Stimme gehorcht mir nicht ganz und klingt, als hätte ich gerade einen fünfhundert Meter Sprint absolviert.
„Ich weiß es nicht genau …“ Eine Hand streicht durch meine Haare, was ich jetzt, im Gegensatz zu vorher, als bedrohlich empfinde. „Aber es müsste zwischen ein und vier Uhr am Nachmittag sein.“

[Schattenjunge
Datum der VÖ: 25. Oktober 2023]

© Text & Cover:  Vaelis Vaughan
Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung.
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