25. Juni 2024

Leseprobe F***ing real – Beyond reproach | Svea Lundberg

Exklusive Leseprobe

›F***ing real – Beyond reproach‹
Svea Lundberg

Klappentext:
Frisch von der Highschool zieht es Liam fort von seinem konservativen Elternhaus. In Los Angeles will er endlich ausleben, was er die letzten Jahre unterdrückt hat, und seinem Traum vom Cheerleading nachgehen.
In einer Bar begegnet Liam Ricardo, genannt Rizzo, und ist sofort voller Bewunderung für den jungen Darsteller des CC Cock Labels. Denn Rizzo verkörpert all das, was Liam immer sein wollte: Er ist selbstbewusst, frech und steht voll zu den Klischees, die er erfüllt. Erst ein Blick hinter Rizzos stets fröhliche Fassade zeigt, dass auch er mit inneren Dämonen und vor allem Vorurteilen zu kämpfen hat. Denn in einem Business, das rohe Männlichkeit propagiert, hat es ein Darsteller, der die Zeit außerhalb der Drehs am liebsten in Drag verbringt, nicht leicht.
Liam ist zunehmend fasziniert von Rizzos Wandelbarkeit – und vielleicht ist er auch ein wenig verknallt. Aber leider passt er so gar nicht in Rizzos Beuteschema. Denn dieser steht ganz klar nur auf einen Typ Mann: erfahrene, dominante Daddys. Und dann erscheint zu allem Überfluss auch noch der Unternehmer Keith Anderson auf der Bildfläche – ein Mann, der all jenes verkörpert, nach dem sich Rizzo in seinen Träumen sehnt.
 
© Svea Lundberg

Behutsam tastete ich mich, einen Arm ausgestreckt, an der Wand entlang zu seinem Schlafzimmer. Die Tür stand tatsächlich halb offen. Ich blieb stehen und hielt den Atem an. Lauschte. Kein Laut drang aus dem Zimmer hervor, was mich schmunzeln ließ. Es hätte mich auch gewundert, würde Rizzo schnarchen. Oder vielleicht schlief er auch gar nicht? Vielleicht lag er wach, genauso wie ich und wartete darauf, dass ich …
Ach, was ein Blödsinn!
Energisch wischte ich die wirren Gedanken in meinem Kopf beiseite und schob die Tür vollends auf. Schlich hindurch und hin zum Bett. Würde Rizzo doch nicht schlafen und genau jetzt das Licht anschalten, würde er sicher einen Lachanfall bekommen bei dem Anblick, wie ich ganz zombielike mit vorgestreckten Armen auf ihn zukam. Doch kein Deckenrascheln deutete darauf hin, dass er sich regte und es blieb dunkel. Blöd für mich, dass Rizzos Bett kein erhöhtes Fußende hatte, denn so nützte all das Vorantasten mit den Armen nichts. Ich stieß mir den Zeh am Bettfuß. Zischte schmerzlich, biss mir auf die Lippe und hielt erneut den Atem an. Kein Laut. Kein Rascheln. Anscheinend schlief er wirklich.
Durch die heruntergelassenen Jalousien fielen noch weniger Strahlen des diffusen Morgenlichts als im Wohnraum, sodass ich lediglich dunkle, unscharfe Konturen ausmachen konnte. Nur vage konnte ich erahnen, dass Rizzo die von der Tür aus gesehene vordere Hälfte des Kingsize-Bettes für sich auserkoren hatte. Also tappte ich vorsichtig um das Bett herum und kletterte auf der Fensterseite hinein.
Rechter Hand ertastete ich einen Haufen dicker Daunenkissen, linker Hand nur ein kühles Laken, aber keine Decke. Unschlüssig blieb ich mitten auf dem Bett kniend hocken. Noch mal in der Dunkelheit hinausschleichen und meine Decke vom Sofa holen, oder mich ohne Decke neben Rizzo legen und hoffen, dass mir nicht zu kalt wurde? Notfalls konnte ich die Füße vielleicht unter eines der dicken Kissen stecken, oder …?
»Liam?«
Ich zuckte so heftig zusammen, dass das Bett einen ganz leisen, knarzenden Laut von sich gab.
»Ja?« Hilfe, warum klang meine Stimme denn so fiepsig?
»Komm her.«
»Was?«, quietschte ich dämlich.
»Komm unter meine Decke.« Er nuschelte die Worte mit einer so selbstverständlich klingenden Bestimmtheit, dass mein Hirn gar nicht so schnell irrationale Einwände sammeln konnte, um mich davon abzuhalten, genau das zu tun: Ich rutschte neben Rizzo unter die Decke. Spürte sofort seine Wärme überall an meinem ganzen Körper, obwohl wir uns überhaupt nicht berührten.
Mein Atem stockte.
Bis eben nicht berührt hatten …!
Rizzo griff hinter sich, erwischte erst meinen Bauch, ehe er sich höher tastete und meinen Unterarm zu fassen bekam. Als wäre ich eine formbare, hocherhitzte Gummimasse, ließ ich mich von ihm direkt hinter sich ziehen. Mein rechter Arm knickte einfach so unter mir weg, sodass ich plötzlich ganz nahe bei Rizzo lag. Meinen Arm um ihn geschlungen und seine Haut überall an meiner.
Okay, nicht ganz überall. Uns trennte noch der Stoff meiner Pants, aber …
Himmel, trug er etwa keine? Also … gar nichts? Ich hätte es nicht beschwören können, aber es fühlte sich so an und ich konnte ja schlecht an seinen Arsch greifen, um sicherzugehen.
»Kannst du nicht schlafen?« Er nuschelte noch immer ein wenig, klang herrlich verpennt und versicherte mir damit ungefragt, dass er im Gegensatz zu mir sehr wohl Ruhe gefunden hatte. Gott, warum stellte ich mich auch so an?
Ich wusste seit Jahren, dass ich nicht nur auf Mädels stand, oder vielleicht sogar mehr auf Jungs, denn auf Mädels. In der Theorie hatte ich mir sicher Hunderte Male vorgestellt, wie es sein würde, das erste Mal einem anderen Kerl so nahe – und vielleicht noch näher – zu sein. Aber in der Praxis hatte ich eben verflucht noch mal keine Ahnung von alledem. Davon, wie es sich anfühlte.
»Nee, irgendwie nicht«, gab ich flüsternd zurück und spürte dabei eine vom Wachs verklebte Strähne von Rizzos Haar meine Lippen und Nase kitzeln. Ein klein wenig roch es nach Rauch, aber vor allem nach dem ganzen Zeug, das er hineingeschmiert hatte, um es unter der Langhaarperücke verstecken zu können. Ein klein wenig neigte ich den Kopf weiter, sodass ich weniger an seinem Haar, sondern mehr an seinem Nacken schnuppern konnte.
»Weiß auch nicht warum«, murmelte ich wie abwesend, hätte nicht zu sagen vermocht, warum ich ihn in diesem Moment anschwindelte, weil ich viel zu sehr damit beschäftigt war, bei jedem Laut heimlich ein wenig mehr seines Geruches in mich aufzusaugen.
»Hmm …«
Ich schloss die Augen, als Rizzo sich leicht vor mir rekelte und seine Finger fester um meine wand. Es fühlte sich so gut an. Er fühlte sich so gut an. Und ich? Ich schien mit einem Mal innerlich in Flammen zu stehen, weil …
»Ich glaube, ich weiß, warum du nicht schlafen kannst.«
Ich hielt den Atem an. Wusste er, wie schrecklich ich an ihn denken musste? Selbst jetzt noch, als ich bei ihm war.
»Es könnte daran liegen, oder?«
Ich kam nicht mal dazu, in Gedanken das ›Woran‹ zu formen. Denn Rizzo bewegte sich noch ein wenig und mit einem Mal war auch mir klar, wovon er redete.
Gott … wie konnte es denn sein, dass ich hart war und es nicht mitbekam? Dass ich nicht gemerkt hatte, wie sich mein Schwanz bettelnd gegen Rizzos Hintern drückte. Gegen seinen nackten Hintern, wohlgemerkt! Denn nun, da er mit seinen Worten all meine Aufmerksamkeit nach dort unten gelenkt hatte, war es unmöglich, durch den dünnen Stoff meiner Pants nicht zu spüren, dass er keine trug.

»Liam …« Er raunte meinen Namen, lang gezogen und warm. Schnurrte ihn regelrecht und jagte mir damit tausend Schauer über den Rücken und tief hinein in meinen Unterleib. Mein Ständer zuckte sehnsüchtig in meiner Pants und ich saugte vor Schreck zischend den Atem ein. Rutschte ein Stückchen von Rizzo fort, doch kam nicht weit, da er noch immer meine Finger mit seinen umschlungen und damit meinen Arm um seine Hüfte und seinen Bauch gelegt hielt.
»Kein Grund zu flüchten«, flüsterte er in die Dunkelheit, »eher im Gegenteil.«
Ich war überfordert.
Schlicht und ergreifend vollkommen überfordert.
Weil alles in mir danach schrie, mich näher und fester an Rizzo zu pressen, mich der Länge nach an ihn zu schmiegen. Die Hitze seiner Haut zu genießen und seinen Geruch zu inhalieren und ihn wieder zu küssen und zu schmecken. Und weil ich mich, verdammt noch mal, nicht traute, genau all das zu tun.
Weil es mein erstes Mal war.
Weil es Rizzo war.
Weil ich ihn so sehr wollte und sich gleichzeitig diese nervöse Furcht in meinen Magen krallte.
»Willst du gehen?«
»Nein!« Er hatte die Frage noch nicht einmal ganz zu Ende formuliert, da war der Widerspruch bereits über meine Lippen gekrochen. »Nein, will ich nicht«, setzte ich leiser hinzu. »Ich hab nur … Bin nur …«
»Aufgeregt?« Seine Finger drückten meine und ich nickte stumm an seinem Nacken. »War ich auch«, flüsterte er weiter, kreiste mit dem Daumen über meinen Handrücken. »Unsicher?« Wieder nickte ich, wagte es aber im selben Moment, mit der Nasenspitze seine nackte Schulter zu streifen. »War ich damals auch«, wisperte er und drehte den Kopf, sodass wir uns beinahe hätten ansehen können, wäre es nicht so dunkel im Zimmer gewesen.
Ich schluckte. Zwang mich ein- und wieder auszuatmen. Gleich darauf streifte sein Atem den meinen. Es wäre so leicht gewesen, ihn zu küssen. Er war mir so nah. Aber ich wagte es nicht.
»Nur so weit du willst, okay?« Er flüsterte die Frage kaum hörbar und nahm mir dennoch – oder genau deshalb? – damit einen Teil meiner Furcht.
»Ja«, wisperte ich ebenso leise, »ja, okay«, und drückte meine Lippen auf seinen Nacken. Mein Atem stockte vor Aufregung, als Rizzo seine Finger aus meinen löste. Meine Hand sank auf seinen Bauch, blieb auf den flachen Muskeln und der warmen Haut liegen. So weich. So gern hätte ich ihn gestreichelt.
»Mach, was auch immer du machen willst.«
Hatte er meine Gedanken erraten? Egal! Sacht begann ich, mit den Fingerspitzen zu kreisen. Seine Bauchdecke spannte sich. Er gluckste leise. Sein Luftholen wandelte sich in ein zufriedenes Schnurren, als ich meine Berührungen intensivierte und mit der geöffneten Hand über seinen Bauch und ein Stückchen höher fuhr.
Seine Brustmuskeln waren flach, aber dennoch deutlich zu spüren. Seine Haut auch dort weich und haarlos. Mein Zeigefinger stieß an eine kleine, erhärtete Erhebung – seinen Nippel. Kurz zögerte ich, aber dann streichelte ich sacht darüber. Rizzo zischte leise und ich musste mir auf die Unterlippe beißen, um all die Laute einzusperren, die bei dieser Reaktion seinerseits aus meiner Kehle drängten.
Inzwischen war es mir unmöglich, zu ignorieren, wie hart ich war. Der dünne Stoff meiner Pants klebte feucht an meiner Schwanzspitze und es fiel mir so verdammt schwer, nicht wieder mit dem Becken näher an Rizzo heranzurutschen.
Ich kniff die Augen zusammen, zwang meine Aufmerksamkeit zurück auf die Empfindungen unter meinen Fingern. Ich fand seinen anderen Nippel, reizte auch diesen mit den Fingerspitzen und schließlich mit dem Daumennagel und bekam als Reaktion wieder diesen zischenden Laut, gefolgt von einem leisen Wimmern.
»Liam … fuck … es macht mich wahnsinnig, wenn du mich so sacht anfasst.«
Erschrocken zog ich meine Hand zurück, erntete gleich darauf ein leises Lachen Rizzos.
»Das sollte nicht ›hör auf‹ heißen, eher: ›Mach’s fester‹. Wenn du möchtest …«
»Oh!« Ich hauchte den Laut gegen seinen Nacken, erinnerte mich dabei daran, dass ich ja auch noch einen Mund hatte, den ich einsetzen konnte. Ich drückte kleine Küsse auf Rizzos Haut, küsste mich seinen Hals und seine Schulter entlang, immer wieder.
»Das fällt nicht gerade unter ›fester«, raunte er lachend und atmete schwer dabei. Mein eigener Atem ging ganz flach, mein Herz raste wie verrückt in meiner Brust und in meinem Unterleib war dieses brennende, lustvolle Ziehen.
»Rizzo?«
»Hmm?«
»Fasst … Willst … Also … fasst du mich auch an?«
Nun war der Laut aus seinem Mund ganz eindeutig ein Lachen. »Sag das doch gleich«, neckte er mich und schob nur einen Augenblick später seine Hand nach hinten und auf meinen Oberschenkel. »Wo genau?«
Ich wusste wohl, dass er mich scherzhaft herausforderte, brachte aber doch nur stockend über meine Lippen: »Ich … weiß nicht. Überall?«

[F***ing real – Beyond reproach | Datum der VÖ: 12. März 2020]

© Text und Cover: Svea Lundberg | deadsoft Verlag;
Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung.
Unbezahlte Werbung.

© Hintergrundbildcollage:
 Phil Desforges auf Unsplash & Birgit Böllinger auf Pixabay
Bildbearbeitung: Wir schreiben QUEER

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