25. Juni 2024

Your secret wish – Storm | Sam Jones

Leseprobe

›Your secret wish – Storm‹
Sam Jones

Klappentext:

Nach einem Streit mit seinen Eltern finanziell auf sich gestellt, bewirbt sich Core bei der Agentur ›Your secret Wish‹ als Escort. Unter dem Decknamen Storm erhält er bald seinen ersten Job: Aleksandar bucht ihn als Reisebegleiter für seinen Verlobten Gabriel.
Storm weiß nicht, was ihn erwartet, nur dass Gabriels Bedürfnisse befriedigt werden sollen und ihm dabei keine Grenzen gesetzt sind. Aber was genau bedeutet das? Vor allem, da der junge Mann keinerlei Interesse an einem sexuellen Abenteuer zeigt?
Die Reise bringt es ans Licht und noch einiges mehr. Unerwartet schnell verweben sich die Lebensfäden der drei Männer ineinander. Sie wieder zu entwirren, scheint unmöglich. Zumindest nicht, ohne dabei einen von ihnen zu zerreißen.

Die YOUR SECRET WISH – Reihe besteht aus in sich abgeschlossenen Romanen. In jedem Teil geht es um ein anderes Paar und es kann jedes Buch unabhängig von den anderen gelesen werden.

© Sam Jones

Ich hätte viel dafür gegeben, zu einem langsamen Song mit Storm zu tanzen. Nur, dass das hier kein Schwulenlokal war, was diesen Wunsch theoretisch bleiben ließ. Zumindest hatten wir beim Linedance mitgemacht. Etwas, was ich sicher nur der Tatsache zu verdanken hatte, dass Storm diesen Abend für mich perfekt machen wollte. Tief in mir ahnte ich, dass er sonst eher nicht der Typ für solche Dinge war.
»Du stehst wohl eher auf Brokeback Mountain?«, erkundigte er sich amüsiert.
»Du nicht?«, neckte ich zurück.
»Auf Cowboys steh ich eigentlich nicht so. Obwohl …« Sein Blick glitt über mich. »… man soll ja niemals nie sagen.«
Dieser Schwerenöter! Nur dass es sich nicht anfühlte, als würde er Süßholz raspeln. Ganz im Gegenteil. Wenngleich ich diesen Begriff im Zusammenhang mit Storm nicht überstrapazieren wollte: Ich glaubte ihm. Egal, ob es um seine Worte, Gesten oder Blicke ging. Das Begehren in Letzterem ließ aktuell wieder mal meine Wangen heiß werden. Ebenfalls etwas, was mir nicht zum ersten Mal in seiner Gegenwart passierte.
»Was denkst du?«, fragte er, hielt die Stimme dabei sanft, aber nicht auf diese künstlich erotische Weise. Vielmehr schuf er so die Möglichkeit, meine Antwort zu einem Geheimnis zu machen. Eines, nur zwischen uns beiden. Als wüsste er, dass mir so leichter fallen würde, es zu erzählen.
Erst als ich die Wärme seiner Hand spürte, wurde mir klar, dass ich sie ergriffen hatte. »Ich dachte gerade, wie schön es wäre, mit dir zu tanzen. Also so richtig. Wenn du weißt, wie ich meine.« Heiß breitete sich die Röte weiter auf meinen Wangen aus. Ich wagte kaum, ihm in die Augen zu sehen. Was lächerlich war. Verdammt, es ging um einen Tanz, nicht um … Hier kappte ich meine Gedanken und sah doch auf. Mitten in sein lächelndes Gesicht.
»Was schert es dich, was die anderen denken?«, wisperte er.
»Das tut es nicht«, log ich, was er natürlich sofort durchschaute.
Sein Lächeln wurde tiefer, während er aufstand. Seine Hand, die eben noch von meiner gehalten worden war, eroberte sich die Herrschaft über meine und zog mich mit hoch.
»Nicht«, hauchte ich, ließ meinen Blick schweifen. Noch sah niemand zu uns. Noch!
»Sag mir, welcher Song dir als Erstes in den Sinn kommt!« Meine Hand weiter fest umschließend, sorgte er sanft dafür, dass ich ihm folgte. Erst nach ein paar Schritten wurde mir klar, wohin er steuerte: zur Band.
»Storm! Bist du wahnsinnig?«, zischte ich ihm zu. Mittlerweile hatten wir die Aufmerksamkeit einiger weniger Gäste geweckt.
»Welcher Song?«
»Ich weiß nicht.« Mein Herzschlag beschleunigte sich schon bei dem Gedanken daran, mit ihm zu tanzen. Würde ich jetzt noch eines meiner Lieblingslieder wählen …
»Letzte Chance. Sonst suche ich aus.« Er hielt kurz an, blickte mir tief in die Augen. Wieder einmal brachte er mich damit aus der Fassung. Kühle Herausforderung, die mir wärmende Befreiung versprach. Eine ein paar Minuten dauernde Flucht. Ruhe für mein geplagtes Herz! Nur, dass Letzteres nicht völlig der Wahrheit entsprach. Denn ihm nah zu sein, versetzte mein Herz nicht in einen Ruhezustand. Ganz im Gegenteil. Langsam, aber sicher war es nicht mehr zu leugnen, dass es in Schwierigkeiten kommen könnte, wenn es sich weiter solche Dinge wie romantische Tänze mit diesem Mann wünschte. Und damit auch ich.
»Gabe?«, forderte er ein letztes Mal sanft meine Antwort ein. Ich verdrängte die zwiespältigen Gedanken, wollte sie jetzt nicht zulassen. Kein Zweifel. Keine Furcht. Nichts sollte mich belasten. Wenigstens für ein paar Minuten.
»Okay. Dann such ich aus.« Der Daumen seiner freien Hand streichelte meine linke Wange. »Beschwer dich aber nachher nicht, ja?«
»Ich hätte gewettet, dass du diese Musik nicht magst«, verriet ich ihm.
»Ich bin nicht festgelegt, Gabe. In keiner Hinsicht.«
Ich versank in seinem einnehmenden Blick. In meiner Brust pochte das Herz noch heftiger. Meine roten Wangen bekamen einfach keine Möglichkeit, die Farbe zu verlieren. Auch, wenn sie mittlerweile vielleicht nur mehr rosa statt dunkelrot waren, würde Storm ahnen, was mich so durcheinanderbrachte. Nämlich er. Ehe ich mich jedoch völlig in dem Gefühl vergessen konnte, das mich unweigerlich durch seine Nähe erfasste, wandte Storm sich abrupt ab. »Komm, das Lied ist gleich aus.«
Die ersten Schritte stolperte ich mehr, als zu gehen. Trotzdem schaffte ich es, nicht zu stürzen, bis wir gleichzeitig mit den letzten Akkorden der aktuellen Countryballade die Bühne erreichten.
Storm winkte den Sänger zu sich herunter, der ihm sein Ohr bot und danach, mit einem etwas belustigten Blick auf mich, nickte.
Meinem Begleiter schien die Reaktion nichts auszumachen, denn er zog mich einfach auf die immer noch recht gut gefüllte Tanzfläche.
»Der findet es lächerlich, dass wir miteinander tanzen«, maulte ich, als Storm anhielt und sich zu mir umwandte.

»Ist doch egal.« Er zwinkerte mir zu und legte seine Hände an meine Hüften.
»Die schauen schon alle.« Unbehaglich ließ ich meinen Blick schweifen. Gut, alle war leicht übertrieben, aber der eine oder andere wartende Cowboy hatte visuell statt seiner Lady uns eingefangen.
»Ich wiederhole: Das ist mir egal. Und ich frage dich: Warum dir nicht?«
Meine Schultern zuckten, gleichzeitig wanderten meine Mundwinkel höher. Ich konnte gar nichts dagegen machen. Schon einmal hatte ich für mich festgestellt, dass Storm die Gabe besaß, mich dazu zu bringen. Und ich musste mir eingestehen, dass es mich überhaupt nicht störte.
Die Gitarre begann zu spielen, schon die ersten Töne ließen eine Gänsehaut in meinem Nacken erblühen. »Woher …?«, konnte ich nur hauchen, gleichzeitig legte ich, wie von einem Puppenspieler geführt, meine Arme um Storms Hals.
»Tanz mit mir.« Seine Worte jagten ein Prickeln durch meinen Körper, das – wie ich leider feststellte – Stellen erreichte, an denen es beim Tanzen eher nichts zu suchen hatte.
Der Gesang begann. ›Shallow‹ aus ›A Star is born‹ – meinem absoluten Lieblingsfilm.
»Entspann dich einfach. Schließ die Augen, wenn das hilft.« Storms Stimme kroch unter meine Haut, breitete dort eine Schwere aus, die mich auf eine gewisse Weise aus dem Hier und Jetzt holte. Meine Arme zogen mich näher an ihn und mein Kopf legte sich an seine Schulter, alles scheinbar ohne mein Zutun. Erst fühlte es sich seltsam an. Nicht, weil es er war, sondern, weil er nicht jemand anderer war.
Kurz poppte Aleks’ Bild in mir auf, allerdings aus einer Zeit, als er noch in der Lage gewesen wäre, hier Storms Part einzunehmen. Und für eine endlose Sekunde fühlte ich mich ihm so nah, dass es schmerzte. Ein angenehmer Schmerz, den man festhalten wollte. 

In all the good times, I find myself longing for change
And in the bad times, I fear myself

Der Text floss durch mich, als würde er aus meiner Feder stammen. Ich fürchtete mich und lechzte nach Veränderung. Nur, dass es bei mir andersrum lauten musste. Denn ich lechzte in den schlechten Zeiten nach Veränderung und fürchtete mich in den guten davor, es würde passieren. So wie jetzt. Ich wollte mich nicht von Aleks entfernen, sondern mit ihm gemeinsam die Oberfläche durchbrechen und sicher sein. Dort wo uns die Ruhe schützte. Doch während ich noch mit geschlossenen Augen den Song fühlte, verwandelte sich Aleks’ Gesicht in das von …
»Tell me something, Boy. Aren’t you tired tryin’ to fill that void?« Die Stimme des Sängers verblasste, was blieb, war die von Storm. Sie kroch mir gleich einer Liebkosung unter die Haut. »Or do you need more?«
Ohne auch nur einen Augenblick darüber nachzudenken, drehte ich den Kopf und meine Lippen berührten die warme Haut seines Halses. Nur für den Bruchteil einer Sekunde, aber das reichte, um mich seufzen zu lassen. Viel zu laut. Viel zu offensichtlich.
Hör auf!, schrie etwas in mir, doch ich wollte einfach nicht darauf hören. Noch ein Kuss – wenn man ihn überhaupt so nennen konnte. Wiederum war es kaum mehr als ein Hauch.
Nun meinte ich, von ihm ein tiefes Einatmen zu vernehmen. Seine Hände, die bis jetzt artig an meinen Hüften gelegen hatten, bewegten sich etwas nach hinten. Fast schüchtern wagten sich seine Fingerspitzen zum Ansatz meines Hinterns vor. Der Unschuld der Berührung zum Trotz breitete sich ein Feuer in mir aus. Eines, das nach mehr verlangte. Nach so viel mehr!
»We’re far from the shallow now.« Aus den Lautsprechern neben der Bühne und dicht an meinem Ohr erklangen die Worte. Schwebten direkt in mein Herz. Einer Warnung gleich, die ebenso als Aufforderung gelten konnte.
»Können wir bitte gehen?«, hörte ich mich sagen. Es hätte ein regelrechtes Flehen sein sollen, klang aber bestenfalls wie ein halbherziger Vorschlag. Ich fühlte Storms Nicken, doch weiter passierte nichts. Weder er noch ich veränderten unsere Position. Vielleicht kamen wir uns sogar näher? Nur ein kleines Stück.
Wir tanzten den Song zu Ende. Und danach den Nächsten. Und den Übernächsten. Und selbst wenn meine Lippen jedem weiteren Versuch widerstanden, sich denen von Storm oder auch nur einem anderen Stückchen seiner Haut zu nähern, wusste mein Herz, dass es dabei war, sich ihm zu öffnen. In einer Weise, die einfach nicht sein durfte.

[Your secret wish – Storm
Datum der VÖ: 07. April 2022]

© Text & Cover: Sam Jones
Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung.
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