Sam Jones

Ich liebe schreiben, aber über mich selbst zu erzählen fällt mir immer ziemlich schwer. Was sicher daran liegt, dass ich mich selbst nicht für besonders interessant halte. Aber bitte 😊

Geboren wurde ich vor fast fünfzig Jahren in Wien, wo ich immer noch lebe. Weil ich diese Stadt einfach liebe, mit all ihren Ecken und Kanten. Denn ich selbst bin im Grunde genauso. Ich mache oft nicht das, was von mir erwartet wird und auch mal Dinge, die ich aus späterer Sicht gesehen, eher unterlassen hätte sollen. Ich bin impulsiv, emotional und wenn es um meine Lieben geht, kann ich auch mal zur Löwin werden (was ich übrigens auch im Sternzeichen bin). Ich lasse mich nicht in Schubladen stecken und vermeide es auch, das mit anderen zu tun.

Früher war mir nicht bewusst, wie sehr man sich selbst darin beschränkt, allem einen Namen geben zu müssen. Es ist doch viel schöner, die Dinge zu nehmen, wie sie sind, ohne ihnen einen Stempel aufzudrücken. Ich hatte zum Beispiel niemals Probleme mit Homosexualität, aber ich muss gestehen, dass ich in meiner Jugend einen gewissen, vorsichtigen Respekt vor Menschen hatte, die sie offen auslebten. Weil sie anders waren und mich das verunsichert hat. Das ist auch – zumindest meiner Meinung nach – das wahre Übel. Menschen neigen dazu, Dinge zu meiden, die ihnen unbekannt sind. Wer weiß, was da rauskommt, wenn man sich das näher anschaut?, denkt sich wohl der eine oder andere. Und ich kann nur sagen: Traut euch, denn ES IST TOLL!

»Ich lasse mich nicht in Schubladen stecken und vermeide es auch, das mit anderen zu tun.«
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Meine Rettung war ein schwules Pärchen, denn die zwei Süßen zeigten mir nicht nur, wie normal das queere Leben sein kann, sondern auch das absolute Highlight jedes Junis in Wien: die (sagt man die??) Vienna Pride! Meine erste Regenbogenparade (das ist eine wichtige, politische Demonstration für die Rechte der LGBTQ+ Community, die jährliche am Ende der Pride stattfindet) war für mich DAS Schlüsselerlebnis. Noch nie in meinem Leben hatte ich so viele Menschen, so friedlich und vor allem so gut gelaunt auf einem Haufen erlebt. Niemand hat mich gefragt, ob ich auch queer bin, ich wurde einfach mitgenommen  – nein, richtiggehend mitgerissen! – war ein Teil davon und fühlte mich freier als jemals zuvor in meinem Leben. Eigentlich ein trügerisches Gefühl, denn genau deshalb marschieren wir jedes Jahr über den Ring, weil eben genau diese Freiheit noch nicht für alle gegeben ist. Trotzdem ist eben diese Zusammengehörigkeit einer unserer größten Waffen. Wir schlagen sie mit positiver Energie könnte man es nennen! Und das ist doch wirklich der schönste Kampf: Einfach nicht aufgeben, Singen, Tanzen, Lachen! Und uns so nehmen, wie wir eben sind.

Da ich schon immer gerne Geschichten in meinen Kopf gesponnen habe, war es irgendwie vorhersehbar, dass irgendwann die Idee einer Gay Romance in mir entstehen würde: David & Erics Geschichte, die ich in vier Bänden unter dem Reihennamen Decisions of Love niedergeschrieben habe. Noch heute sind die beiden für mich DAS TRAUMPAAR und werden es wohl immer bleiben. Trotzdem hat sich beim Schreiben ein Charakter ergeben, der sich so nachhaltig in mein Leben geschlichen hat, als würde er tatsächlich existieren: Nick! Als Nebencharakter erdacht, der eigentlich nur dazu da sein sollte, um David als Freund über die temporäre Trennung von Eric zu trösten, entwickelte er sich zum erklärten Liebling von mir und vielen meiner Leser und vor allem zu meiner persönlichen Leitfigur in allen LGBTQ Fragen. Was würde Nick tun? Oder: Wie würde Nick hier reagieren?  – ich weiß nicht, wie oft ich mir das schon gedacht habe.

Natürlich steckt auch in all meinen anderen Büchern immer ein Teil von mir. Ich werde inspiriert von Erzählungen von Freunden, von Situationen, die mir im Alltag begegnen oder von irgendeinem Schauplatz. Und dann wächst die Geschichte in mir und muss raus!

Durch das Schreiben hole ich mir die Freiheit in andere Leben einzutauchen, Dinge zu hinterfragen und Situation zu durchleben, die ich ansonsten nie kennengelernt hätte. Und das bereichert mein Leben ungemein!

Ich hoffe, meinen Lesern mit meinen Büchern eine Auszeit zu schenken. Ich möchte sie träumen lassen, mit mir und meinen Protagonisten! Das wünsch ich mir vom ganzen Herzen. Denn nur wer träumt sieht die ganze Welt!

Eure Sam

 
Text & Bilder © Sam Jones;
mit freundlicher Genehmigung.
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