Martin Engelbrecht

Tolkien soll mal gesagt haben, er würde einfach die Bücher schreiben, die er selbst gerne lesen würde. Seit ich diese Sentenz so oder so ähnlich im Making-Of der Filmtrilogie „Der Herr der Ringe“ zum ersten Mal hörte, habe ich sie zu meinem Motto gemacht. Schließlich habe ich immer schon viel Zeit damit verbracht, mir Geschichten auszudenken, warum nicht also einmal eine davon zu Papier bringen? Also habe ich einfach drauflos geschrieben.

»Gender und Sexualität sind Größen, die im Laufe meines Lebens immer flüssiger wurden und am Ende nur noch eine Regel kennen, nämlich niemanden zu verletzen, nicht am Körper, nicht an der Seele und nicht am Ruf.«
Wir schreiben queer
Netzwerk queer-schreibender Autor*innen

Meine erste Entdeckung war, es macht unheimlich Spaß. Meine zweite war, dass eine Überarbeitung nie zu Ende ist, aber hey, das gehört einfach dazu. Schwieriger als das Überarbeiten ist für mich, mit dem Überarbeiten aufzuhören…

Was schreibe ich so für Sachen?

Als Konsument von Büchern, Filmen, Bildern, Computerspielen und so weiter liebe ich es, in fremdartige, exotische Welten einzutauchen. Dabei sind mir vielschichtige Charaktere, lebendige Beziehungen und verwickelte Handlungsabläufe weit wichtiger als Action. Beeinflusst bin ich von vielen Leuten, besonders von den amerikanischen SF-Autorinnen der Siebziger und Achtziger Jahre wie Ursula K. LeGuin, Octavia Butler, James Tiptree oder Vonda McIntyre. Aber auch Stan Lee hinterließ unauslöschliche Spuren, als er mir mit seinen Geschichten unter der Bank durch die Schule geholfen hat.

Wo es mich als Konsument wie als Autor hinzieht, sind die Grenzen unseres Verständnisses von Wirklichkeit. Dann ist es mir ziemlich gleichgültig, ob auf dem Deckel ‚Fantasy’, ‚SF’ ‚Mystery’, oder irgendein anderes Genre-Etikett steht. Intelligente Geschichten, die zeigen, dass es auch ganz anders geht als unser Verständnis von Realität es behauptet, faszinieren mich ohne Ende. Solche Szenarien geben mir auch die Möglichkeit, meinen Figuren jede Menge mehr oder weniger ketzerisches Gedankengut in den Mund zu legen, am besten mit den entgegengesetzten Perspektiven nur wenige Seiten später…

Queer schreibe ich, weil ich mich queer fühle. Gender und Sexualität sind Größen, die im Laufe meines Lebens immer flüssiger wurden und am Ende nur noch eine Regel kennen, nämlich niemanden zu verletzen, nicht am Körper, nicht an der Seele und nicht am Ruf.

Nun, was kommt dabei heraus, wenn man gerne viel Zeit in fremden Welten verbringt, die am Rande unseres Wirklichkeitsverständnisses angesiedelt sind? Dicke Fantasywälzer, die sich darauf freuen, ihren LeserInnen den gedanklichen Aufenthalt möglichst angenehm und unterhaltend zu gestalten, gewürzt mit Anspielungen und Gedanken, die man goutieren kann oder einfach überlesen, je nach Neigung…

Text & Bilder © Martin Engelbrecht;
mit freundlicher Genehmigung.
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