23. Juli 2024

Leseprobe Hütte | Bianca Aschenbach

Leseprobe

›Hütte‹
Bianca Aschenbach

Klappentext:
Sean Justin van Claasen ist Kriminalhauptkommissar und sucht einen Serienkiller. Die Polizei tappt völlig im Dunkeln, es scheint nichts passen zu wollen… dieser vermaledeite Täter…
….turned on some music to start my day, lost myself in a familiar song, I closed my eyes and I slipped away…

Ein tragischer Vorfall und Sean wird aus der Spur geschleudert… DNS?… 2 Vermisste…
„Vergreif dich an meinem Hund und du erreichst kein Gefängnis lebend“
… Nur einer steht unbeirrbar an seiner Seite, aber wäre es nicht sicherer ihn außer Landes zu bringen?…
„Ryan!“
 
© Bianca Aschenbach

Komm mir bitte nicht zu nah!“, zischte er. Michelle sah ihn ungläubig an, tat aber wie befohlen. Sean musste aus der Situation raus, sofort.
Er brachte sie bis zur Party-Halle, dann umarmten sie sich zum Abschied und Michelles Parfum stieg ihm ins Gehirn.
„Schöne Party, Lina-Michelle.“
„Schönen Abend, Dad.“ Sean drehte sich um und ging Richtung seines Autos. Er wusste, dass einige der Gäste der Party ihre Kollegen waren. Als ihr Vater konnte er jetzt nicht mehr dort herumlaufen. Ben als ihr Freund war später natürlich möglich. Als Sean schließlich in seinem Auto saß, legte er seine Hände auf das Lenkrad und seinen Kopf dazwischen. Scheiße, Michelle hatte ihn in ihrem Party-Outfit und mit dem Make-up so kalt erwischt, dass er jetzt irgendetwas benötigte zum Herunterkommen. Er griff schließlich in sein Handschuhfach und zog eine seiner Zigaretten raus. Einfach wegfahren war nicht drin. Sean zündete sich seinen Joint an und öffnete das Fenster etwas. Für die Party war er jetzt etwas zu weit entfernt, er konnte den Eingang sehen, jedoch in 50 Metern Entfernung. Der Parkplatz dahinter war auch keine Option, da hätte er nur die Ankommenden sehen können. Sean hoffte auf die Kollegen vor Ort. Es waren nun noch gut zwei Stunden bis Ben eintraf. Als er den Joint geraucht hatte, war sein Innerstes wieder ruhiger. So konnte er immerhin die Zeit gut überbrücken bis er Feierabend hatte. Kurz vor Mitternacht löste Ben ihn ab.
Der war heilfroh endlich die Schicht bei Michelle übernehmen zu können und er war auch froh, dass nach dieser Nacht die Wahrscheinlichkeit sehr groß war, dass sie seine Kollegin abziehen würden. Sollte sich der Täter nicht blicken lassen und sollte er überhaupt vorgehabt haben auf der Party zuzuschlagen, konnte es durchaus möglich sein, dass er entweder den Braten gerochen hatte oder ohnehin nicht vorhatte hier zuzuschlagen. Ben hatte Michelle auf der Party recht schnell gefunden und hielt sich mit ihr an der Bar auf. Sie taten sehr vertraut und hielten auch Händchen. Für Außenstehende wirkte es sehr echt.
„Heller, ich bin echt froh, wenn wir wieder zusammen im Dienst sind. Aber du siehst verdammt schick aus“, flüstere Ben ihr ins Ohr.
„Danke! Ja, frag mich mal, ich habe das Gefühl je länger dieses Lockvogel-Ding geht, desto genervter werde ich. Auch ist das hier echt ’ne Weile für mich her und ich bin froh, wenn ich wieder in meine Wohnung kann.“ Ihr Kollege fand es recht cool, dass er direkt auf den Lockvogel aufpassen konnte und dieser wiederum war recht froh, dass sie eine Ablenkung hatte und auch wenn die Lockvogel-Story es nicht ausgelöst hatte, hatte Michelle es dadurch doch geschafft herauszubekommen, wie Ben zu ihr stand. Er ließ genauso wie sie ihren, seinen Blick über die umliegenden Gäste wandern. Er sah dabei  den ein oder anderen, der sicher mit noch mehr Alkohol Stress machen würde. Aber er sah hauptsächlich Party-Hungrige. Sicher war das keine Aussage, denn nicht jeder Täter war sofort zu erkennen. Ben ging auch immer wieder mal durch die Tanzenden und den ganzen Trubel. Dabei versuchte er die Gäste abzuchecken. Es konnte durchaus wichtig sein, dass man grob wusste, wer alles da war. Wenn man sich Kleidungsstücke merken konnte, oder Verhaltensmuster. Doch Ben und Michelle bekamen recht viel Zweisamkeit, auch wenn sie die nachvollziehbar auf Sparflamme halten mussten.
Sean stellte den Wagen in die Tiefgarage und konnte es kaum erwarten, mit dem Aufzug den dritten Stock zu erreichen. Als er die Wohnungstüre öffnete, kam Mr. Jack wieder nicht zur Tür. Was war hier eigentlich langsam los? Er trat ein und stellte fest, dass es völlig still in seiner Wohnung war, jedoch war noch Licht an. Schlief Ryan bereits? Das konnte er sich jedoch nicht vorstellen. Als er ins Wohnzimmer kam, wusste er was los war und schmunzelte. Ryan war auf der Couch eingeschlafen. Mr. Jack lag ihm zu Füßen, Sean ging zur Couch und setzte sich leise neben Ryan. Alleine als Sean sich setzte, spürte er sofort wie angenehm das war und er ließ sich zurückfallen an die Rückenlehne. Er schloss die Augen für einen Moment. Der Stress von allem lastete nach wie vor heftig auf ihm. Als er etwas am Arm spürte und seinen Blick hinwendete, war es Ryans Hand und er lächelte ihn warm an. Die Wärme, die über ihn drüber wusch, ließ ihn wieder die Augen schließen. Ryan erkannte, wie fertig Sean war.

„Sschlaafen?“ Sean nickte nur. Ryan griff nach seinen Krücken und stütze sich darauf auf. Sean stand neben ihm auf und wartete bis er sich ganz aufgerichtet hatte und Ryans Blick ging automatisch zu ihm und er wusste, wieso Sean wartete. Der kam ihm etwas näher und legte seine Stirn an Ryans. Es ging beiden gleich dabei und sie schlossen die Augen, weil die Gefühle einfach nur schön waren. Dann trafen sich ihre Lippen.
Als sie im Bad vorm Spiegel standen und sich die Zähen putzten, mussten beide grinsen. Es war schon etwas anderes, dass sie Bett und Tisch teilten. Als Ryan die Zahnbürste wegstellte, sah er Sean durch den Spiegel an.
„Sean, Dank-e!“ 
„Wieso?“
„Ich hiier.“ Sean legte seine Arme von hinten um ihn und legte seinen Kopf auf seine Schulter.
„Für dich?… immer, jederzeit und mit jeder Faser und mit allem, was du willst und bist. Ryan, du weißt, dass wir momentan eher aus Gründen deiner Sicherheit zusammenwohnen und wir sind beide Freigeister, das ist nichts Neues. Aber,  dass ich dich mehr mag als irgendetwas in diesem Universum …“ Sean seufzte, schob sein Gesicht in Ryans Haare und drückte sich fest an ihn. „Scheiße, manchmal habe ich das Gefühl, dass ich nicht in Worte packen kann, was du mir bedeutest.“ Er hörte und spürte Ryans Reaktion. Der legte seine Hände auf Seans, sie verschränkten die Finger und Ryan zog die Arme fest um sich. Er antwortete nicht, aber seine Augen füllten sich mit Tränen. „Hey Kämpfer, komm lass uns ins Bett gehen.“ Als Sean Ryan unter der Decke an sich zog, schoss Michelles Outfit vor seine Stirn. Sean grinste. Jetzt, null Chance. Sean schlummerte ein, noch ehe Ryan sich in die richtige Position gelegt hatte. Sean war derjenige, der sämtlichen Druck aushalten musste, Ryan beneidete ihn nicht, er schlief beruhigt neben ihm ein.

Ben inspizierte auch die Toiletten und traf dort auf einen Mitarbeiter der Sicherheitsfirma und war froh, dass die Sicherheitsleute ihren Job taten. Er hätte sich gern genauso wie Michelle auf der Tanzfläche ausgetobt, aber er war im Dienst, um den Lockvogel zu beschützen und so musste er ihr dabei zusehen, wie sie sich in ihrem engen Minikleid zu den Rhythmen bewegte. Er beneidete sie und musste zugeben, dass sie süß aussah und sie hätte nicht viel gebraucht, um ihn herumzukriegen. Es war schon so, dass die langen Tages- und Nachtschichten, bei denen man aufeinander saß, dafür sorgte, dass man sich sehr vertraut war und der Dienst an sich, sorgte dafür, dass man sich vertraute. Er wäre jedoch nie die treibende Kraft gewesen, sich ihr einfach anzunähern. Das war immer heikel als Mann und grundsätzlich war sowas unter Kollegen tabu. Trotzdem war es nicht so, dass er sich dagegen gewährt hätte.
Michelle kam irgendwann ausgelassen von der Tanzfläche und stürzte sich auf ihr Getränk. Ein Cocktail. Ben sah ihr zu wie sie ihn schlürfte und spürte auch den leichten Wunsch etwas mit Alkohol drin zu trinken, doch er hielt sich an Mineralwasser. Die Party war noch im vollen Gange. Ben freute sich darauf, dass es irgendwann überschaubarer werden würde. Er erwartete nicht, dass der Täter bei vollem Betrieb zuschlagen würde.
„Ich muss nachher mal meine Schuhe wechseln, die hier bringen mich um.“ Sie lehnte sich vor, damit er sie überhaupt verstand.

[Hütte | Datum der VÖ: 14. August 2023]

© Text & Cover: Bianca Aschenbach;
© Hintergrund: www.anniespratt.com
Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung.
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