25. Juni 2024

June T. Michael

Ich bin durch und durch Buchmensch. Im Verlagswesen tätig, seit gut einem Jahrzehnt Teil der Buchbranche im Allgemeinen. Geschichten halte ich für ein menschliches Grundbedürfnis und bei mir war das in beide Richtungen immer schon gut ausgeprägt – ich war das ständig plappernde Kind, das lieber irgendwelche fiktiven Schulereignisse erzählte, weil der reale Schulalltag nicht sonderlich prosatauglich und ziemlich langweilig war.

Ansonsten tue ich mich mit Selbstvorstellungen schwer, weil „June T. Michael“ ein geschlossenes Pseudonym ist.

»Slice of life“ bedeutet, dass ich Geschichten mitten aus dem Leben schreibe. Es gibt keine großen, epischen Fantasyschlachten und keine weltumspannenden Plots.«
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Das Pseudonym entstand, weil ich wusste, dass ich eins brauche, aus … Gründen. Da meine bisherigen Berührungspunkte mit Erotikliteratur allerdings überwiegend über den Twitteraccount von „Desastererotik“ liefen, wusste ich erst einmal nur, dass ich kein Pseudonym möchte, das ein Wortspiel auf Genitalien bildet.

Was ich wollte, war ein Pseudonym, bei dem ich mich angesprochen fühle, wenn es verwendet wird und wo, wenn eine Person mich tatsächlich mal trifft und dann „Hey, [selbst gewählter Vorname]“ ruft, ich mich umdrehen kann, ohne feuerrot zu werden. Das schien mir mit „June Thalia“ oder nur „June“ hinreichend erfüllt.

Was kann ich noch erzählen?

Dass ich mit Partnerperson irgendwo in Österreich lebe und hier eine süße Katze wohnt. Das kleine Tigerchen bringt mein Leben ziemlich durcheinander, aber auf die beste Art und Weise.

Ich bin nicht-binär, habe für mich – und alle, die es nutzen wollen – das Pronomen „rhei“ entwickelt und bin neurodivergent, was sich auch in meiner Art zu schreiben ausdrücken dürfte. Und in so ziemlich allen meinen Figuren und wie sie die Welt wahrnehmen.

Als „June T. Michael“ schreibe ich ein Genre, das ich mangels eines besseren Begriffs „slice of life BDSM-Fantasyporn“ genannt habe, als Hashtag nehme ich für meine Schreibprozesse meist #AmWritingFantasyporn, weil die vollständige Variante nicht so hashtagtauglich ist.

“Slice of life“ bedeutet, dass ich Geschichten mitten aus dem Leben schreibe. Es gibt keine großen, epischen Fantasyschlachten und keine weltumspannenden Plots. Einfach nur Lebewesen, die in einer Welt, die zufällig auch Magie und Gottheiten und menschlich aussehende Nichtmenschen beinhaltet, ihrem Alltag nachgehen und dabei alle möglichen Sorgen und Probleme haben. Eben ein kleiner Ausschnitt aus einem Leben, das für uns ziemlich ungewöhnlich ist, aber für die, die in jener Welt leben, normaler Alltag ist.

Und da Erytan, das Land, in dem die meisten Geschichten derzeit spielen, BDSM als integren Teil der eigenen Kultur hat, geht es dabei oftmals kinky zu. Es macht mir Spaß, die Sessions und spontanen Sexszenen dann auch ausführlich zu beschreiben.

Der angestrebte Ton ist dabei zwischen leicht und ernsthaft. Ich möchte Geschichten schreiben, die sich anfühlen, wie ein warmes Wannenbad nach einem langen, stressigen Tag – denn es gibt gerade unter queeren Geschichten sehr viele ernste, traurige Geschichten. Viel Leid, das aufgearbeitet gehört. Aber gleichzeitig will ich, selber queer, auch Geschichten lesen, die mir ein bisschen Eskapismus schenken. Und ich möchte meinerseits Eskapistisches schaffen. Das heißt nicht, dass die Geschichten komplett seicht sind – die Themen, die ich anspreche, sind durchaus ernst und ich schreibe sehr nah an meinen Charakteren.

Aber die Grundatmosphäre ist so hoffnungsvoll, wie es die jeweilige Geschichte erlaubt, die ich gerade zu erzählen habe. Für mich liegt in Geschichten über glückliche queere Personen etwas Revolutionäres, Rebellisches. Etwas Utopisches, das mir zutiefst wichtig ist.

Geschrieben wird an besonders vollen Tagen dann schon mal auf dem Sofa, beim Fernsehen. Meine Rohfassungen entstehen größtenteils in Evernote und manchmal nur wenige Worte am Tag, das Überarbeiten stellt mich dafür dann vor die Hürde, weil ich gerne Szenen versehentlich direkt zwei Mal hintereinander doppelt schreibe oder kleine Fakten verdrehe. Die sorgfältigste Planung bekommen dabei die Sessions, denn da ist mir besonders wichtig, dass alles beschriebene erstens safe ist, zweitens überhaupt erst einmal realistisch möglich.

Schreiben kann ich immer, sofern ich gerade genug Zeit und Kraft habe, um das Handy zur Hand zu nehmen.

Inspiration finde ich überall – und zur Not kitzle ich sie bewusst hervor. Beispielsweise, als ich mir selbst eine Challenge gesetzt habe, einen Monat lang Minitexte aus meinem Genre zu schreiben, bei denen Haushaltsgegenstände eine wichtige Rolle spielten.

Und: Geschichten aus Arl Sere sind die Geschichten, in die ich mich flüchte, wenn es mir wirklich schlecht geht und ich dringend einen Gegenpol dazu brauche. Etwas Warmes, Liebevolles, das alle willkommen heißt, so wie sie sind. Utopie eben. Reich werde ich damit nicht, aber meine Situation hat sich so weit gebessert, dass ich das nicht zwingend muss. Glück gehabt.

Text & Banner © June T. Michael;
Zeichnung © skalabyrinth;
mit freundlicher Genehmigung.
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