23. Juli 2024

Desiderius M. Rainbow

Wer bin ich eigentlich und was mache ich?
Mein Name ist Desiderius M. Rainbow, ich bin ein Mix aus Turmkobold, Kater, Magier und Badewannenpirat und ich bestehe zur Hälfte aus Tinte und Papier. Mein Herz habe ich schon vor langer Zeit an die Contemporary-Fantasy verloren und mein großes Herzensprojekt ist meine im fiktiven Mehrleben spielende Reihe um den Jungmagier Mânil und den verschrobenen Magielehrer Suketo. Auch wenn ich vor kurzem erst begonnen habe, es zu veröffentlichen, schreibe ich an dem Komplex schon seit vielen Jahren und bin überglücklich, es endlich mit der Welt zu teilen.

Ich schreibe ausschließlich das, was ich auch selbst gern lesen wollen würde oder was mir in der Buchlandschaft fehlt, und kümmere mich, wie in jedem Bereich meines Lebens, nicht darum, was andere erwarten. Bei mir gibt es absurde Dialoge, Wortspielereien, Situationskomik und schrullige, widerspenstige Protagonisten, gemixt mit überraschender Tiefgründigkeit. Mir gefällt der Kontrast zwischen Happyplace und Psychochaos und ich spanne gern einen breiten Stimmungsbogen. Außerdem findet man bei mir eine ganze Menge zwischen den Zeilen: ich liebe Subtext. Da ich ebenso viel Wert auf die persönliche Entwicklung der Figuren wie auf die eigentliche Handlung lege, schreibe ich immer sehr charakterzentriert und am liebsten aus wechselnder Ich-Perspektive.

Beim genaueren Hinschauen, entdeckt man bei mir auch jede Menge scheinbar nebensächlichen Kleinkram, der später überraschend wichtig wird, oder den man erst beim zweiten Lesen deuten kann. Mir gefallen komplexe Geschichten, in die man ausgiebig eintauchen kann, in denen man die Charaktere richtig kennenlernen und über einen langen Zeitraum begleiten kann – und so schreibe ich auch. Zudem liebe ich graue Charaktere: ich mag keine schwarz-weißen Figuren und finde es gut, wenn auch die „Guten“ mal so richtig Mist bauen, sich danebenbenehmen und in die falsche Richtung rennen, oder wenn die Gegenspieler sich zwischendurch sympathisch zeigen und Humor haben.

Insbesondere meine ich den zweiten Hauptprotagonisten meiner „Mânil“-Reihe, Suketo, der bei meinen Leser*innen herrlich polarisiert. Außerdem mag ich es, mit Klischees zu spielen, sie aufzubrechen und Unerwartetes zu tun.

»Bisexualität, Aromantik, Gendernonconforming und später Poly sind Themen, werden aber nur selten gelabelt – es ist auch so offensichtlich, worum es geht, selbst ohne, dass ich ein Schild dranklebe.«
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Mehrleben
In Mehrleben spielt übrigens nicht nur meine „Mânil“-Reihe, sondern auch alle anderen angefangenen Manuskripte, die ich in der Schublade liegen habe, in denen es um weitere Magier und um Turmkobolde geht. Die einzige Ausnahme ist die Textsammlung über meine Transition und rund ums Thema queer sein. Da ein Teil von mir ja auch in der Realität zu Hause ist, die ich mit euch allen teile, spielt das tatsächlich hier (wo auch immer hier nun ist…).
Wann ich dazu komme, das in Form zu bringen und zu veröffentlichen, weiß ich aber noch nicht – Mânil hat erst einmal Vorrang.

Und sonst so
Ich veröffentliche im Moment als Selfpublisher und neben der Geschichte stammen auch Cover und sämtliche Illustrationen aus meiner Feder.
Desiderius M. Rainbow ist mein eingetragener Künstlername und wenn ich nicht gerade in Mehrleben zu finden bin, bin ich Tänzer mit Tanzstudio und eigener Show aus Flensburg. Zeitgenössische Fantasy Geschichten habe ich jedoch schon geschrieben, ehe ich auch nur übers Tanzen nachgedacht habe.

Ich bin trans und das Schreiben war für mich lange Zeit der einzige Ort, an dem ich der sein konnte, der ich wirklich bin. Besonders habe ich mich mit den beiden Hauptcharakteren meiner „Mânil“-Reihe identifiziert, weshalb ich bei meiner Vornamens- und Personenstandsänderung 2020 Mânil als meinen neuen Rufnamen habe eintragen lassen (Wobei Mânil im Buch zwar queer, aber nicht trans ist). Um Verwirrung zu vermeiden, lasse ich mich in der Öffentlichkeit trotzdem lieber Desiderius nennen – die Grenzen zwischen mir und der Geschichte sind ohnehin schon verschwommen.  

Queerness, Romance und so
Verschiedene queere Richtungen sind in meiner Reihe gegenwärtig, aber nicht als Haupthandlungsstrang, sondern als Selbstverständlichkeit, die nebenbei immer mal wieder Thema ist. Mir ist es ein wichtiges Anliegen, zu zeigen, dass auch queere Charaktere mehr können, als sich zu outen oder ihre sexuelle Identität zu entdecken. Um die Normalität dieser Themen zu betonen, vermeide ich es auch, Label zu benutzen.

Bisexualität, Aromantik, Gendernonconforming und später Poly sind Themen, werden aber nur selten gelabelt – es ist auch so offensichtlich, worum es geht, selbst ohne, dass ich ein Schild dranklebe. Romance-Aspekte gibt es bei mir durchaus auch zwischendurch, die vielen unterschiedlichen Arten der Liebe und Zuneigung (und manchmal Abneigung) sind der Antrieb der Geschichte, stehen aber nicht im Hauptfokus. Das zentrale Verhältnis meiner Reihe ist explosiv, frei von Romantik, rein platonisch, intensiv, aber nicht eindeutig – dafür aber kompliziert, wunderbar vielschichtig, eventuell voller Subtext und lässt einigen Interpretationsspielraum zu. Und auch andere meiner Pairings halten sich nur selten an den Standard-Ablauf.

Ebenfalls schreibe ich wahnsinnig gern über einige Aspekte aus dem BDSM, wobei ich aber auch hier an allen Klischees vorbeischreibe. Denn es fällt mir zwar schwer, Geschichten zu verfassen, ohne, dass immer mal wieder Leute gefesselt oder auf andere Art ihrer Freiheit beraubt werden, und ich liebe den vielseitigen Themenbereich Machtgefälle – aber ich schreibe diese Dinge gern ohne den sexuellen Aspekt. Für mich ist BDSM deutlich mehr als nur das, vielmehr handelt es sich um eine Lebenseinstellung und das findet bei mir zwischen den Zeilen – später etwas deutlicher – Anklang.

DIS/ Mental Health
Ein weiterer persönlicher Aspekt, der auf Fantasy-Art seinen Weg in meine Reihe gefunden hat, ist das Thema gespaltene Persönlichkeit. Da ich selbst mit einer sehr ausgeprägten DIS (Dissoziative Persönlichkeitsspaltung) lebe, hatte ich den Wunsch, darüber zu schreiben, wie es ist, seinen Alltag mit Personen im eigenen Kopf zu teilen. Ich wollte über den alltäglichen Widerstreit und die inneren Konflikte schreiben, ohne mich zu retraumatisieren oder meine Leser*innen zu triggern. Außerdem werden meine Charaktere im Laufe der Geschichte noch genug zu erleiden haben. Also geschieht es zwischendurch, dass Magier, die eine Affinität zur Verwandlungsmagie haben, einige ihrer Kreationen in ihrem Kopf unfreiwillig als eigenständige Charaktere abspalten, welche fortan Teil ihrer Selbst sind. So kann ich über die Existenz als Multipler schreiben und erklären, wie sich das anfühlt, ohne mir selbst zu schaden. Deshalb betitle ich das in meiner Geschichte natürlich nicht als DIS, sondern als VPS (Verwandlungsbedingte Persönlichkeitsspaltung). Der Unterschied ist mir sehr wichtig, da die VPS meiner Magier sich zwar auch stressbedingt zeigen kann, aber nicht Trauma basiert ist.
Außerdem kommen noch einige weitere Themen rund um Mental Health zum tragen, denn wenn meine Figuren schlimme Dinge erleben, stecken die das nicht weg, wie es oft in der Fantasy üblich ist, sondern macht es etwas mit ihnen.

Fazit?
Doch trotz einiger sehr ernsterer Themen ist es mir wichtig, meine Leser*innen dennoch mit einem fetten Grinsen im Gesicht zurückzulassen und sie mehr lachen als weinen zu sehen, und ich bin immer wieder unfassbar überwältigt, wenn mir das gelingt und ich sehe, wie ich andere mit meinen Worten berühren kann. Ich bin unglaublich dankbar, Menschen an meiner Seite zu haben, die mir helfen, diesen Traum zu verwirklichen.
Ich könnte noch viele Seiten schreiben, in dem Versuch mich vorzustellen, aber ich habe noch nie eine bessere Vorstellung geschrieben, als mit meiner „Mânil“-Reihe. Wer das liest, weiß am Ende ohnehin zwangsläufig, wie ich ticke – auch wenn das ursprünglich gar nicht der Plan war. Deshalb möchte ich euch alle einfach mit nach Mehrleben nehmen und hoffe, dass ihr dort ebenso einen Ort zum Verweilen findet, wie ich.

Text © Desiderius M. Rainbow;
Banner & Bild: www.jeannedark.art
mit freundlicher Genehmigung.
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