25. Juni 2024

Der Sommer und mein Wunsch nach Freiheit  | Talia May

Leseprobe

›Der Sommer und mein Wunsch nach Freiheit‹
Talia May

Klappentext:

Umgeben von Sonne, Hitze, Musik und einer unfassbaren Anziehung zwischen zwei Frauen, entsteht eine Affäre, die so viel mehr sein könnte, als nur ein Geheimnis.

Ein vermeidlich trostloser Sommer, den Shirley Zuhause in New York verbringt, bis ihr Ehemann auf die Idee kommt, ihre Flitterwochen nachzuholen. Eigentlich spricht alles dagegen, doch eine einmalige Begegnung mit einer fremden Frau auf Skopelos lässt Shirley nicht los. Es beginnt eine Reise, die sie vollkommen in ein Gefühlschaos reißt, denn in die grünen Augen, dieser wunderschönen Griechin, hat sie schon einmal gesehen und schnell wird ihr klar, dass sie ihr nicht entfliehen kann.

© Talia May

Ein typischer Montagmorgen, ich sitze auf der Bettkante, schaue hinaus, auf die Skyline von New York, die Stadt, die niemals schläft, sehe die vielen Menschen, wie sie hastig die Straßen entlanglaufen. Hektisch und doch finde ich etwas an all dem hier, denke ich zumindest. Es ist ein grauer Tag, der kalte Asphalt schimmert, die hohen Gebäude spiegeln sich in den Pfützen. Leise seufze ich auf. Mein Blick schweift hinüber zu den Bildern an unserer Wand. Augenblicklich sehe ich weg. Seit Jahren versuche ich meine Vergangenheit auszublenden. Ich erinnere mich an nichts mehr und wenn es hochkommt, schiebe ich es weg. Die vielen Reisen, die Orte, die ich gesehen habe, das Kinderlachen in meinen Ohren, oder die herzliche Umarmung von meinen Eltern. Es hat keinen Platz in meinem Leben.
„Guten Morgen.“, nuschelt eine Männerstimme.
Überrascht sehe ich über die Schulter zu meinem verschlafenen Ehemann. Sein schwarzes Haar ist zerzaust, seine Augen kann er kaum offenhalten. David fährt sich durch sein Gesicht, streckt sich, sieht zu mir. Ich schenke ihm ein liebevolles Lächeln, welches er erwidert.
„Wie lange bist du schon wach?“, fragt er, richtet sich auf.
Ich zucke mit den Schultern, schnappe mir mein Handy.
„Gute Frage, ich habe keine Ahnung.“
Mein Mann braucht keine Minute, da springt er energiegeladen aus dem Bett. So wie jeden Morgen, gehen wir zusammen ins Badezimmer, machen uns frisch. Nachdenklich beobachte ich ihn durch den Spiegel hindurch, wie er sein weißes Hemd zuknöpft, sein Parfüm im Raum herumschwirrt, wie sein silberner Hochzeitsring im hellen Licht schimmert. Manchmal wirkt alles um uns herum perfekt. Ich habe unendliche finanzielle Freiheiten, ein riesiges Apartment in New York, leite eine Firma und besitze einen unfassbar einfachen Ehemann…trotzdem…fehlt etwas. Nicht etwas. So vieles. David fängt meinen Blick ein. Augenblicklich lächle ich, schenke ihm einen federleichten Kuss auf die Wange, verlasse das Badezimmer, um mir ein Kleid aus meinem Schrank herauszusuchen. Das schlichte Schwarz erledigt den Job für mich.
„Sag mal, was hältst du davon, wenn wir spontan verreisen?“
Mit einer hochgezogenen Augenbraue sehe ich zu ihm. David kommt zu mir.
„Wohin?“
Er schließt den Reißverschluss meines Kleides, legt seine Hände auf meine Oberarme.
„Skopelos. Ich weiß, wie gern du dorthin würdest.“
Ein Blick in sein Gesicht reicht, um mir zu sagen, dass das eben keine Frage von ihm war. Er hat den Flug schon gebucht. Etwas genervt entferne ich mich von ihm, um meine Schuhe anzuziehen.
„Wieso fragt du mich überhaupt, wenn du schon alles geplant hast?“
Ertappt lächelt er.
„Ich kenne dich. Du würdest mir nur wieder ins Gewissen reden und am Ende würde ich den Urlaub stornieren. Wenn es nach dir ginge, würden wir unsere Flitterwochen nie nachholen, sondern nur arbeiten. Deswegen habe ich alles allein organisiert.“
Mit verschränkten Armen stehe ich vor ihm.
„Und ich weiß auch, dass du gleich entsetzt den Mund aufreißen wirst, wenn du erfährst, dass wir schon morgen verreisen.“
Tatsächlich, ich reagiere genauso, wie er es vorhergesagt hat.
„Das ist viel zu kurzfristig!“, meckere ich.
David lacht auf.
„Nein, ist es nicht und jetzt lass uns losfahren, sonst kommen wir noch zu spät. In unsere Firma, wo sich jeder nach uns richtet.“
Sarkasmus. Den kann er sich gerade sonst wohin stecken. Zum Glück wissen wir beide, dass ich mich in ein paar Stunden wieder beruhigt habe und insgeheim freue ich mich auf einen Tapetenwechsel. Aber in mir herrscht auch eine riesige Angst, denn ich weiß, dass ich nicht ewig so tun kann, als wäre ich ein Niemand ohne Vorgeschichte.
Gelassen lehnt sich David an der Fahrstuhlwand ab, während ich meinen Terminkalender durchgehe. Meetings, Meetings, Meetings und eine neue Assistentin.
„Du hast mir schon wieder eine neue besorgt?“, frage ich genervt.
David nickt.
„Wieso? Ich habe dir schon tausendmal gesagt, dass ich-.“
Er lässt mich nicht ausreden, unterbricht mich mit einem Kuss. Schmollend sehe ich ihn an. David streift mir eine Haarsträhne aus dem Gesicht, lächelt verliebt.
„Ich weiß, dass du keine Hilfe brauchst. Sie soll dir einfach nur etwas Arbeit abnehmen. Außerdem ist sie schon lange in unserer Firma. Du musst sie nicht einmal einarbeiten.“
Die Fahrstuhltür öffnet sich.
„Sei nett. Bis nachher.“
Gestresst binde ich mein braunes Haar zu einem Dutt zusammen, nehme meiner Assistentin den Kaffee ab, den sie mir entgegenstreckt.
„Frau Scott, es geht um das neuste Magazin, wie gewünscht wurden Ihre Änderungen umgesetzt. Sie müssten noch einmal bestätigen, dass sie mit der Ausgabe so zufrieden sind, damit sie in den Druck kann.“, erklärt die rothaarige Frau neben mir.
Mir ist es peinlich, dass ich mich nicht mal mehr an ihren Namen erinnern kann, obwohl sie ihn mir vor gerade mal einer halben Stunde gesagt hat. Ich scheine alles zu vergessen, was relevant für meine Lebensgeschichte ist.
„Dann sehe ich es mir mal an.“, nuschle ich, betrete das Büro, sehe in die unzähligen Augen.
Kein Problem, die Aufmerksamkeit der anderen liegt sehr oft auf mir, meist geht es dabei jedoch nur um mein Aussehen, nicht um das, was ich leiste oder kann, viele meiner Angestellten hassen mich, denn ich habe den Posten bekommen, den sie alle haben wollten, nur, weil ich die Ehefrau vom Boss bin. Das weiß ich selbst und trotzdem mache ich diesen Job jeden Tag. Ob es eine Art Selbstzerstörung ist? Kommt mir fast so vor. Ich räuspere mich und gehe zu meinem Platz am Tischende.
„Wollen Sie weiter schweigen, oder möchten Sie mir das Magazin zeigen?“
Augenblicklich beginnt das, worin wir alle gut sind, das Schauspiel, damit die Firma läuft.
„So können wir es drucken. Ich danke Ihnen.“
Das sind meine Schlussworte und sie verschwinden. Alle bis auf meine Assistentin, die junge Frau, deren Namen ich nicht mehr weiß. Ich sehe sie an, warte darauf, dass sie spricht, doch das tut sie nicht.
„Gibt es noch etwas, dass Sie mit mir besprechen wollen?“, frage ich.
Mit zittriger Hand streckt sie mir einen Zettel entgegen.
„Daran soll ich Sie heute erinnern.“
Ich nehme den Zettel, sie verschwindet, lässt mich allein. Verwirrt lese ich die Worte, die ich mir selbst aufgeschrieben habe. Vater und Schwester zum Geburtstag gratulieren. Traue dich, sie anzurufen.
Vergangenheits-Ich, ich hasse dich.

Unerwartet wird meine Zimmertür aufgerissen. Ich sehe in die braunen Augen meiner kleinen Schwester, weiß ganz genau, was jetzt auf mich zukommen wird.
„Carina, versuch es erst gar nicht.“, murmle ich, hebe warnend meinen Zeigefinger, krame meine Klamotten zusammen.
„Warum? Wieso willst du so schnell wie möglich hier weg?“, fragt sie.
Ich kann in ihrer Stimme hören, wie aufgebracht sie ist. Es tut mir im Herzen weh, aber ich kann nicht anders.
„Shirley!! Es ist mein Geburtstag! Willst du wirklich heute abhauen?“
Augenblicklich verharre ich in meiner Bewegung, sehe sie an. Carina kommt zu mir, keine Sekunde später fällt sie mir in den Arm.
„Du bist meine große Schwester. Ich brauche dich.“
Sie weint. Scheiße. Ich erwidere ihre Umarmung.
„Es tut mir leid Carina, aber ich kann nicht bleiben… Ich kann nicht.“, flüstere ich.

Ein lautes Geräusch reißt mich aus meinen Gedanken. Innerlich spüre ich, wie mich die Schuldgefühle überkommen. Sie denken wahrscheinlich, dass mir nichts mehr an ihnen liegt, aber das ist es nicht. So war es nie. Schieb es weg, Shirley. Schieb es weg. Ich krame meine Unterlagen zusammen und möchte das Büro verlassen, doch als ich aufsehe, steht sie an der Tür, mit verschränkten Armen. Ihre blauen Augen funkeln mich an.
„Wie lief dein Meeting?“, fragt Viola mit sanfter Stimme.
Nein, verschwinde, rede nicht mit mir. Mein Blick weicht nicht von ihr, denn sie betritt den Raum und schließt die Tür.
„Du ignorierst meine Bitte, Viola.“, flüstere ich, gehe langsam auf sie zu.
„Wie lange willst du dieses Spiel noch spielen? Wie lange willst du ihre Geburtstage ignorieren? Bis sie sterben?“
Mahnend hebe ich meinen Zeigefinger, versuche mit schnellen Schritten an ihr vorbeizugehen, doch sie hält mich auf, steht direkt vor mir. Ihr Parfüm steigt in meine Nase. Mein Herz rast, ich kann es nicht kontrollieren. Verdammt. Ich hasse die Version, die ich bei ihr bin. Sie weiß von meinen Gedanken, von meinen Gefühlen, sie weiß einfach zu viel.
„Lass es gut sein.“, zische ich.
Viola blickt mir tief in die Augen, ganz vorsichtig streift sie eine Haarsträhne aus meinem Gesicht.
„Shirley… Du kannst dich nicht dein Leben lang verstecken.“
Ich schlucke schwer.

„Doch. Das kann ich.“
Mit diesen Worten beende ich unser Gespräch, drücke mich mit aller Kraft an ihr vorbei, hinaus aus dem Meetingraum.
„Hey Schatz, fertig für heute?“
Erschrocken sehe ich zu David, der im Flur steht.
„Ja, alles erledigt.“
Er lächelt.
„Sehr schön. Lust essen zu gehen?“
Essen gehen, sein Vorwand, um sich mit seinem Freunden zu treffen, während ich am Tisch allein zurückbleibe, mit den Freundinnen der Typen. Du weißt doch, was heute für ein Tag ist, David… Oder hast du es schon wieder vergessen?
„Nein, danke, heute nicht. Ich bin sehr erledigt.“
Er nickt. Bevor er anfängt unseren Abend zu verplanen, versichere ich ihm, dass er sich gern mit seinen Freunden treffen kann.
„Na gut, aber nur weil du darauf bestehst.“
Lächelnd gebe ich ihm einen Kuss.
„Dann hoffe ich, dass du einen wundervollen Abend hast. Ich werde meine Tasche für unseren Ausflug packen.“, flüstere ich ihm ins Ohr.
„Das wollte ich hören! Bis nachher Baby.“
Ein flüchtiger Kuss zum Abschied und er verschwindet, genauso wie ich, Richtung Ausgang. Natürlich leistet sie mir Gesellschaft.
„Soll ich dich nachhause fahren?“
Nein, wenn du das tust, wird wieder etwas passieren, dass mich nachts nicht schlafen lässt. Ohne auf ihre Frage zu antworten, gehe ich an ihr vorbei. Sie folgt mir.
„Was willst du tun? Diese Seite immer verstecken? Unglücklich sein? Komm schon, wir beide wissen, dass das hier nicht dein Leben ist.“
Verneinend schüttle ich den Kopf, verlasse das Gebäude.
„Du hast kein Recht über mein Leben zu sprechen, lass es sein.“, fauche ich.
Unerwartet tritt sie vor mich.
„Du kannst mich nicht einmal ansehen, wenn ich darüber spreche!“
Wut und Verzweiflung sprudeln in mir hoch. Viola legt ihre Hand auf meine. Das Blut gefriert mir in den Adern.
„Shirley, das hier hast du nicht verdient. Du musstest noch nie hinter einem Mann stehen.“
„Jetzt schon.“
Mit diesen Worten entferne ich mich von ihr und verschwinde, so schnell ich kann.
Der Abend ist gleich. Ich sitze auf dem Sofa, starre nach draußen, warte, bis die Sonne untergeht, beobachte die Stadt, die vielen Lichter, das Leben. Neben mir steht der Wein, von dem ich wieder viel zu viel trinke, in meiner Hand halte ich mein Handy mit der gewählten Nummer von Zuhause. Und wie jedes andere Mal auch, traue ich mich nicht anzurufen.

Meine Eltern sehen mich erschrocken an. Augenblicklich trete ich einen Schritt zurück, als meine Mutter versucht, sich mir zu nähern. Es ist mir so peinlich, dass ich euch fast nicht mehr in die Augen sehen kann.
„Shirley, was ist nur los?“, fragt meine Mutter besorgt.
Tränen sammeln sich in meinen Augen an.
„Das, was ihr gesehen habt, bin nicht ich. Das werde ich niemals sein.“, antworte ich.
Mein Vater sieht mich nachdenklich an. Er scheint langsam zu verstehen, worauf ich mich beziehe.
„Wie dem auch sei… Ich werde auswandern. Mein Freund und ich-.“
Sofort unterbricht mich meine Mutter.
„Was ist mit Viola? Was ist mit deiner Schwester und uns? Wie kannst du von heut auf morgen entscheiden, dass du uns verlässt?“
Der Schmerz in ihrer Stimme ist fast greifbar für mich und das macht mir den Abschied noch schwerer.
„Shirley. Bitte setz dich und denk noch einmal in Ruhe darüber nach.“
Carina betritt das Wohnzimmer. Mein Zeichen, zu gehen, bevor ich bleibe.
„Nein. Ich muss das machen. Wir sehen uns.“

Schmerzerfüllt schließe ich die Augen. Kann der Hass, den man für sich selbst empfindet, noch größer werden, als er eigentlich schon ist? Ich bin so wütend, enttäuscht und verzweifelt, dass ich das Gesicht, welches ich im Spiegel sehe, nicht wiedererkenne. Wer bin ich? Wo ist meine Freiheit geblieben?
Mitten in der Nacht werde ich von einem lauten Geräusch geweckt. Ich schrecke auf, sehe zum Eingang. David.
„Tut mir leid, da war ich wohl zu laut.“, lallt er.
Natürlich. Er ist betrunken. Ich bin diejenige, die betrunken sein sollte, doch stattdessen habe ich so viel geweint, dass ich irgendwann dabei eingeschlafen bin.
„Kein Problem.“, nuschle ich, stehe auf und gehe zusammen mit ihm ins Schlafzimmer. Es dauert nicht lange, bis wir beide im Bett liegen.
„Shirley?“
Ich sehe zu ihm rüber.
„Ja?“
Seine Augen sind geschlossen.
„Manchmal wünschte ich, dass du wieder so glücklich bist wie damals. Als du noch so viel gereist bist. Deswegen will ich eigentlich hier weg.“
Autsch. Die Tränen schießen mir in die Augen. David schläft schnell ein, aber ich quäle mich die halbe Nacht, nur damit ich nicht nachdenke.
   Am Morgen fühle ich mich wie ausgekotzt. Im Flugzeug schlafe ich viel. David nimmt es mir nicht übel, im Gegenteil. Erst wo wir auf der Fähre sind, ich verstehe, dass New York gefühlt am Ende der Welt ist, werde ich richtig wach, sehe hinaus auf das eisblaue Meer, die Kulisse, die Insel, die sich uns nähert. Hier kennt mich niemand. Kein einziger von ihnen weiß, wer ich bin. Und das fühlt sich verdammt gut an. David hat einen Freund hier und ich weiß, dass das bedeutet, dass ich Zeit allein haben werde. Allein auf einer fremden Insel, umgeben von blauem Meer, Sonne, Sommer. Die Last auf meinen Schultern verschwindet, sie werden leicht, ich fühle mich leicht, fange an zu strahlen.
„Du hast es jetzt erst richtig realisiert, oder?“
Ich sehe David an, überrumple ihn mit einem Kuss.
„Vielleicht sollten wir das hier öfter machen.“, lacht er.
„Auf jeden Fall!“
„Lass uns etwas versuchen, okay?“
Aufmerksam sehe ich ihn an. David legt seine Hand in meine.
„Vergiss New York. Für diesen Trip hier sind wir einfach nur David und Shirley. So wie damals.“
So wie damals. Alles vergessen, das Leben, welches ich mir selbst vorspiele, vergessen. Ja, vielleicht…vielleicht kann ich das. Einverstanden lächle ich. David küsst meine Wange. Überglücklich sehe ich wieder zur Insel, verspüre eine besondere Bindung zu ihr. Jetzt schon, obwohl ich glaube, noch nie hier gewesen zu sein. Nichts kenne. Die Shirley, die hier sein wird, nicht kenne.
   Wir haben eine kleine Wohnung mitten in der Hauptstadt. Sie ist gemütlich, bietet einen wunderschönen Ausblick. Mein Blick schweift über die Häuser, die Farben, hell, leuchtend, hoffnungsvoll.
„Also, ich würde mir gern eine Villa anschauen gehen, sie ist nicht weit weg von hier. Eine Familie vermietet dort eine ganze Etage. Was sagst du?“
Ich drehe mich zu ihm, zucke mit den Schultern.
„Nun, ich sage, dass das fantastisch klingt, ich aber gleich durch die Stadt gehen werde.“
David schnappt sein weißes Hemd, lächelt einverstanden.
„Dann sehe ich dich nachher wieder?“
„Ja, das wirst du.“
Er küsst mich, ich genieße es, gehe mit ihm zusammen nach unten. Vor der Tür trennen sich unsere Wege. Während David nach links geht, gehe ich nach rechts, spüre die warme Sonne auf meiner Haut, sehe mich ausgiebig um. Die Gesichter hier sind anders. Lächeln, Herzlichkeit, Offenheit, nicht die Hektik oder der Stress, das hier ist anders. Es überkommt mich, schleichend, das Gefühl, das mich pusht. Unvorsichtig laufe ich weiter, stoße gegen jemanden. Augenblicklich steigt mir ein wohlriechendes Parfüm in die Nase. In der Sekunde, wo ich gegen die Frau stoße, sehe ich in ihr Gesicht, die Augen geschlossen, sie genießt, so wie ich. Fast sprachlos mustere ich sie, verspüre ein unbeschreibliches Gefühl. Mein Herz stolpert in meinem Brustkorb umher. Ich vergesse alles um mich herum, das Leben, welches ich in New York führe, es ist weg. Ihre Schönheit ist unbeschreiblich, ihre hellgrünen Augen sehen mich an, ich beginne zu lächeln, unerklärlich.

[Der Sommer und mein Duft nach Freiheit
Datum der VÖ: 30. September 2022]

© Text & Cover: Talia May
Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung.
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