23. Juli 2024

Amory Beryl

Schon in meiner Kindheit habe ich mir die wildesten Abenteuer ausgedacht und diese in selbstgebastelte, kleine Notizbücher geschrieben. Meist ging es dabei um Kinder, die beschwerliche, weite und oft gefährliche Reisen durch den asiatischen Dschungel unternehmen mussten, um ihre Eltern wiederzufinden. Damals lebte ich bei meinen Großeltern in einem Kaff und träumte davon, selbst etwas Aufregendes zu erleben – was nie passiert ist, außer man zählt das versteckte Pornoheft, das mein Cousin und ich in einem Trailer auf dem ungenutzten Gewerbegebiet gefunden haben, dazu.

Meine erste Fan-Fiction habe ich 1999 zum Film „Die Mumie“ auf einem uralten Computer geschrieben, der kurz vor dem totalen Systemzusammenbruch stand. Weder PC noch die Story haben es überlebt, aber es war auch nicht schade drum. An sich ging es nur eine Seite lang um Nick, den Protagonisten des Films, der dämlich in der Wüste herumstand und vor sich hin atmete. Natürlich war das Ganze überaus emotionsgeladen, jawoll!

»Ich lerne mit jedem Buch etwas dazu und versuche, mich stetig zu verbessern. Meine Steckenpferde sind Gay Romance und Gay Fantasy.«
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Im Jahr 2002 entdeckte ich schließlich das Gay Genre für mich; damals noch hauptsächlich in Form von Shounen-Ai bzw. Boy‘s Love Mangas. Ich war 15 Jahre alt und hatte mit schrill-piependem 56k Modem zum ersten Mal das Internet erobert. Mit dem Internet kamen diverse Foren, grottige Doremi-Seiten, Animexx und Fanfiction-Portale, die Geschichten rund um all meine liebsten Serien und Animes im Angebot hatten. Darunter eben auch viele, in denen zwei männliche, laut Originalstory heterosexuelle Charaktere von den Fans zwangsverkuppelt wurden. Ich war davon unglaublich fasziniert – und bin es noch heute.

Natürlich habe auch ich viele (grottenschlechte) Fanfictions geschrieben und fleißig Mangas gezeichnet. 2007 wurden schließlich über den Machtwortverlag unter meinem Pseudonym „Ahiku Boruchi“ zwei Broschüren herausgebracht. Eine davon war eine Kurzgeschichte (deren Cover ich NICHT selbst gezeichnet habe) und eine davon ein Kurzmanga (Der Stalker).

Über AGLA-Medien habe ich 2015 unter meinem bürgerlichen Namen eine Kindergeschichte veröffentlicht. Ein paar Jahre darauf war ein weiterer Kurzmanga namens „Kappajagd“ von mir in einer Animexx-Anthologie zu finden. Mittlerweile habe ich die Rechte daran auch zurück, und man kann ihn auf meiner Homepage lesen.

Danach folgte lange Zeit nichts, denn ich hatte jegliche Inspiration verloren. Die Welt war grau geworden, bedeutungslos. Ich hatte zu viel verloren, zu viel versucht, zu viel Kraft verbraucht. Ich war schon immer ein musischer Mensch – ob zeichnen, dichten, schreiben oder singen, ich habe das alles gern und leidenschaftlich ausgeübt.

Mittlerweile zeichne ich nicht mehr allzu gern und singe nur noch für mich allein. Doch das Schreiben war immer eine Konstante. Etwas, wozu ich mich jeden Tag ermutigen konnte. Von 2017 bis 2023 habe ich an der Pechtierchen-Trilogie gearbeitet, einer Geschichte, die ein wenig Licht in meine Dunkelheit gebracht hat und an der ich mich in die wirkliche Welt zurückhangeln konnte. Obwohl der erste Band schon seit 2019 fertig ist, habe ich mich erst zwei Jahre später dazu durchringen können, ihn endlich auf die Welt loszulassen.

Seitdem habe ich noch ein paar andere Bücher geschrieben, meine Struktur gefunden. Zum Beispiel plotte ich mittlerweile und gehe meine Arbeit mit System an. Ich lerne mit jedem Buch etwas dazu und versuche, mich stetig zu verbessern. Meine Steckenpferde sind Gay Romance und Gay Fantasy. Aber wer weiß, was in Zukunft noch so kommen mag. Solange die Protagonisten schwul sind, ist alles möglich!

Text & Bilder © Amory Beryl;
mit freundlicher Genehmigung.
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