19. September 2026

A.C. Lelis

Eine Bloggerin hat einmal geschrieben, dass in meinem Kopf viele junge Männer leben, die sie gerne ein Stück begleiten. Das beschreibt ziemlich perfekt das Chaos in mir. Mittlerweile wohnen in meinem Hirn eine beachtliche Anzahl an Charakteren. Sie werden zwar, nachdem ihre Geschichte erzählt ist, leiser, ziehen aber nie ganz aus. Es ist also ziemlich voll da oben. Vielleicht erklärt das auch, warum frühere Protagonisten gerne als Nebenfiguren in anderen Geschichten von mir wieder auftauchen.

»An diese ersten Jahre denke ich sehr gerne zurück, denn sie waren für mich ein wichtiger Reifungsprozess und die Feedbackkultur damals war ein idealer Nährboden für mich.«
Wir schreiben queer
Netzwerk queer-schreibender Autor*innen

Und damit sind wir eigentlich schon mittendrin in meinem kleinen MM Romance-Universum: In sich abgeschlossene Romane, die durch ihre Figuren aber alle mehr oder weniger lose miteinander verknüpft sind.

Vielleicht sollte ich jedoch erst einmal bei mir beginnen: Hey, ich bin A. C. Lewis und höre im Alltag auf den Namen Anna. Ich bin teesüchtig, ein Naturmensch und fahre lieber Fahrrad als Auto. Nachdem ich lange Zeit in Hamburg gelebt habe, bin ich inzwischen wieder in meine Heimat, die Lüneburger Heide, zurückgezogen. Hier lebe ich, mitten im Nirgendwo, mit meiner Familie, zu der auch fünf Hühner zählen, und genieße das ruhige Landleben.

Ich gehöre zu den frühen Millennials – geprägt vom Miterleben der Digitalisierung – und so verlief auch mein Weg zum Schreiben. Angefangen habe ich mit klassischen DIN-A4-Heften (die mit den Kästchen), später kam mein erster eigener PC dazu (finanziert vom Konfirmationsgeld), und schließlich habe ich als Oberschülerin das freie Internet in der Unibibliothek in Lüneburg genutzt, um meine ersten „Slash-Fanfiction mit Lemon-Warnung“ in Online-Archiven zu veröffentlichen.

Zum Glück habe ich schnell Leser:innen gefunden, denen meine Texte gefallen haben und die mich ermutigt haben, auch die eigenen Geschichten auf fanfiktion.de zu veröffentlichen. An diese ersten Jahre denke ich sehr gerne zurück, denn sie waren für mich ein wichtiger Reifungsprozess und die Feedbackkultur damals war ein idealer Nährboden für mich.

Dank einer Leserin wurde schließlich der Deadsoft Verlag auf mich aufmerksam, und so kam es 2008 zu meiner ersten Veröffentlichung mit „Weinrot“ – einer MM Romance mit Vampiren. Hier merkte man deutlich meine Prägung durch Anne Rice, eine der wenigen Autorinnen, die ich damals kannte, die Homoerotik in ihre Bücher einfließen ließ. Ansonsten bin ich eher durch den Konsum von BL-Manga in die Richtung beeinflusst worden (z.B. Zetsuai).

Ab 2011 folgten über die nächsten Jahre weitere acht Romane von mir im Cursed Verlag – überwiegend ohne fantastische Elemente, dafür mit Figuren aus dem urbanen Leben, manchmal auch etwas kinky veranlagt. Meist spielen die Geschichten in Hamburg, einer Stadt, die mich lange begleitet hat und die ich immer noch sehr liebe. Ich vermute, sie wird mein Lieblingssetting bleiben, auch wenn ich mal Ausflüge in andere Städte unternehme.

Meine Charaktere fühlen sich für mich wie eigenständige Persönlichkeiten an. Es ist, als würden sie irgendwann bei mir „einziehen“, wenn sie eine Geschichte zu erzählen haben, und werden mal lauter, mal leiser, bis ich sie aufgeschrieben habe. Ab diesem Punkt kann ich zwar jeden Charakterbogen ausfüllen und plotte die Geschichte auch gerne komplett durch – aber die eigentliche Tiefe bringen sie schon mit, wenn sie auftauchen. Ich kann nicht genau erklären, wie das funktioniert. Aber es ist einfach so.

Meistens zumindest. Zwischen 2019 und 2025 wurde es in meinem Kopf deutlich ruhiger, weil ich Mutter geworden bin und sich mein Leben komplett um dieses kleine, neue Wesen gedreht hat. In dieser Zeit habe ich wenig geschrieben und war auch nach außen hin eher still.

Inzwischen werden die Stimmen aber wieder lauter und ich habe wieder angefangen zu schreiben. Erst einmal als Selfpublisherin, weil es mir die nötige Freiheit und Unabhängigkeit gibt. Drei bis vier Bücher im Jahr, wie es andere Autor:innen in der aktuellen Zeit schaffen (müssen), wird es bei mir wahrscheinlich nie geben. Ich schreibe dann, wenn die Muse mich packt bzw. es in meinem Kopf schlicht zu laut wird. Ohne diesen Druck von innen heraus, geht es bei mir einfach nicht. Daher werde ich vermutlich auch niemals hauptberuflich schreiben, sondern es immer als zeitintensives, aber sehr erfüllendes Hobby betrachten.

Text & Bilder © A.C. Lelis;
(Bilddateien erstellt mit Canva Pro)
mit freundlicher Genehmigung.
Unbezahlte Werbung.