Caillean McCain
Ich denke Geschichten schon seit meiner Kindheit. Ständig läuft irgendein Film in meinem Kopf. Ich hab Ideen für Storys und Bilder. Als ich mich Anfang des Jahres beruflich neu orientiert habe, war klar, dass ich etwas Kreatives machen möchte. Der Plan war eigentlich, dass ich Fotos, Cartoons und Illustrationen mache, und nebenher meine Gedanken zu meiner magischen Parallelwelt aufschreiben, für die ich bereits vier Jahre Plot und um die 100 Personen in meinem Kopf hatte.
Stattdessen hatte ich plötzlich eine Thriller-Idee im Kopf, so klar und deutlich, dass sie aus mir rauswollte. Die Rohfassung stand innerhalb von dreißig Tagen, und danach wusste ich: Richtig Schreiben ist das, was ich eigentlich machen will.
Meine Genres sind Thriller, Romance und Fantasy – immer in der Gegenwart angesiedelt, durchaus mit Liebesaspekten, aber nicht zwangsläufig mit Romance als Hauptthema. Eines aber zieht sich durch all meine Werke: queere Figuren sind ganz selbstverständlich Teil meiner fiktiven Welt. Dass ich das so klar benenne, verdanke ich Maurice Conrad. Durch seine Sichtbarkeit ist mir bewusst geworden, dass Repräsentation nicht nur richtig, sondern notwendig ist, und dass queere Menschen nicht ›eingebaut› werden müssen, sondern ohnehin da sind. Manche meiner Figuren erkennt man sofort als queer, bei anderen wird es erst im Laufe der Zeit sichtbar, manche müssen sich erst finden und wieder andere sind einfach Teil der Welt, ohne dass ihre queere Identität je erklärt wird.
Was ich nicht schreibe? Historisches – nicht aus Abneigung, sondern aus Respekt vor der enormen Präzision, die das verlangt. Auch reine Komödien liegen mir fern, weil ich bei humorvollen Texten aus Autorensicht irgendwann den Punkt erreiche, an dem es sich für mich konstruiert anfühlt. Die Stärke meiner Arbeit liegt woanders: in Spannung, Atmosphäre, Emotionalität und der Dynamik zwischen meinen Figuren.
Mein idealer Schreibtag ist unspektakulär: Ich, mein Computer, absolute Ruhe und viel Zeit. Wenn ich im Hyperfokus bin, schreibe ich von vormittags bis spät in die Nacht und komme auf über 8.000 Wörter an einem Tag. Fast immer begleitet mich Musik. In der Regel sind das selbst zusammengestellte Playlists, manchmal auch einzelne Stücke in Dauerschleife, wenn sie die Stimmung einer Szene tragen.
Schreibblockaden gehören zum Prozess, aber ich gehe pragmatisch damit um. Manchmal hilft es, das vorherige Kapitel zu lesen, manchmal stattdessen zu recherchieren oder den Plot zu hinterfragen. Gespräche über das Projekt bringen oft Klarheit, genauso wie das Weiterschreiben an einer anderen Szene oder einem anderen Manuskript. Wenn gar nichts geht, konzentriere ich mich auf ungeliebte Pflichten, bevor es wieder weitergeht.
Ich arbeite mit einer Mischung aus Plotting und Discovery Writing. Einzelne Szenen entstehen spontan aus dem Bauch heraus, andere schreibe ich entlang einer groben oder detaillierten Outline. Zu viel Plotting kann bei mir allerdings Blockaden auslösen, deshalb lasse ich mir bewusst Freiraum, damit sich die Dynamik zwischen den Figuren organisch entwickeln kann. Nicht selten verändert sich die Geschichte beim Schreiben oder ich habe eine Idee, die besser funktioniert als das, was ursprünglich geplant war.
Eine meiner Besonderheiten ist, dass ich bereits während Erstellung der Rohfassung mit der ersten Überarbeitung beginne. Bevor ich weiterschreibe, lese ich das zuletzt Geschriebene noch einmal und passe es an. Das gibt mir ein klareres Gefühl für die szenische Atmosphäre.
Neben dem Schreiben übernehme ich auch alle visuellen Aspekte meiner Bücher selbst. Ich entwerfe Cover, Grafiken und Marketingmaterialien, weil es mir wichtig ist, dass das Gesamtbild stimmig ist und dass jede Geschichte auch visuell das vermittelt, was sie ausmacht. Perspektivisch möchte ich meine Hörbücher ebenfalls selbst einsprechen – die Zeit dafür muss ich mir noch erkämpfen. In meiner Freizeit male ich gern, was sich oft als hilfreiches Gegenstück zum Schreiben erweist: ein anderer Ausdruck, aber dieselbe kreative Energie.
Für mich bedeutet Schreiben, Welten zu öffnen, Figuren wachsen zu lassen und Geschichten zu erzählen, die berühren, herausfordern oder einfach nahegehen dürfen. Egal, ob ich gerade an einem Thriller sitze, an einer Liebesgeschichte oder an einem Fantasyprojekt: Der Kern ist immer derselbe. Ich erzähle über Menschen – mit all ihren Facetten, Kämpfen, Fehlern, Stärken und dem, was sie zu dem macht, was sie sind.
