12. Januar 2026

Finding Destiny: Omega Haven

Leseprobe

›Finding Destiny: Omega Haven‹
Amory Beryl

Klappentext:

Durch einen folgenschweren Unfall verliert Jayden alles.
Seine körperlichen Einschränkungen machen ihn als Omega für die Elite unbrauchbar, und so wird er in den geheimen Bordell-Bunker von Santos’ Sanctuary verbannt – ein Ort für jene Alphas, die in der Hierarchie ganz unten stehen.
Vierundzwanzig Jahre lebt Jayden dort, abgeschottet vom Rest der Welt. Sein Alltag ist geprägt von Schmerz, Hunger und Aussichtslosigkeit. Nur die Gemeinschaft im Bunker und Remy, den er all die Jahre großgezogen hat, geben seinem Leben einen Sinn. Doch als Remy die Flucht gelingt, bleibt Jayden allein zurück – und mit ihm die Resignation.
Bis er auftaucht.
Ein System-Alpha aus einer mächtigen Clan-Dynastie, die offiziell gar nicht existieren dürfte. Als Milo die dunklen Abgründe seiner Herkunft aufdeckt, gerät die Welt der beiden ins Wanken. Denn eigentlich gehören sie auf gegensätzliche Seiten. Und so muss Milo sich entscheiden: für seine Familie – oder für Jayden.

 
© Amory Beryl

Happy Birthday!«, rief meine Familie im Chor, als Matt und ich die Wohnung unseres Urgroßvaters betraten. Der Klang von Partytröten erfüllte den Raum, begleitet von Onkel Eugenes Versuch zu singen, was schnell und entschieden unterbunden wurde.
Auf dem großen Esstisch stand ein riesiger Schokoladenkuchen mit einundzwanzig Kerzen, deren Flammen tanzende Schatten an die Wände malten.
»Den hat ein Omega aus dem Schutzhaus im Kochunterricht gebacken. Ein Geschenk von Direktor De la Cruz«, verkündete Dad. Er nickte zufrieden, als wäre er selbst für dieses Meisterwerk verantwortlich.
Matt strich mit einem Finger über die Glasur, leckte sie ab und zog eine Schulter hoch. »Hm. Ganz nett.«
Ich probierte ebenfalls.
Ganz nett? Die Creme schmeckte göttlich.
»Ja, da ist noch Luft nach oben«, warf Cousin Nate ein. »Aber was erwartest du auch von Wesen, die kaum zwei Gehirnzellen besitzen?«
Die Bemerkung zog schallendes Gelächter nach sich. Nur ich lachte nicht. Stattdessen spürte ich, wie sich meine Kehle zuschnürte, während ich die sorgfältig gespritzten Verzierungen auf dem Kuchen stumm anstarrte. Jemand hatte sich unglaubliche Mühe damit gegeben. Jemand, der vermutlich noch sehr jung war. Wie konnte man sich darüber nur lustig machen? Das war mir unbegreiflich.
Auch der Rest des Kaffeekränzchens verlief in ausgelassener Heiterkeit, gespickt von dreckigen Witzen und herablassenden Bemerkungen. Ich biss mir auf die Zunge, während meine Verwandten sich auf Kosten anderer amüsierten, und hoffte, die Feier würde bald enden.
Natürlich freute es mich, dass sie doch an unseren Geburtstag gedacht hatten. Für meine Nerven wäre es allerdings besser gewesen, sie hätten es gelassen.
Als der ach so eklige Kuchen bis auf den letzten Krümel verschwunden war, räusperte sich mein Urgroßvater und zog zwei dicke Umschläge hervor.
»Matthew«, begann er mit gewichtiger Stimme, während er den ersten Umschlag hochhielt, »du bist der Stolz unserer Familie. Daher überreiche ich dir mit Freude die Besitzurkunde für unseren Salon in Las Vegas Paradise.«
Die Besitzurkunde war rein symbolisch. Sie mochte feierlich wirken, doch was wirklich zählte, waren die Papiere im Umschlag: Barbierlizenz, Betriebserlaubnis, Geschäftsregistrierung sowie diverse Steuerunterlagen. Und alle waren sie gefälscht. Schließlich existierten wir offiziell nicht.
Das spielte in diesem Moment jedoch keine Rolle. Die Urkunde war ein Zeichen. Eine Zeremonie. Ein Beweis dafür, dass Matt nun ein wichtiger Teil des Snipps-Imperiums war – auf Augenhöhe mit all denen, die ihn bisher wie einen Lehrling behandelt hatten. Er war nun kein Junge mehr, sondern ein Mann mit Verpflichtungen.
Matt nahm seine Glückwünsche entgegen. Stolz und selbstsicher und ganz Alpha. Ich gönnte es ihm. Denn im Gegensatz zu mir bedeutete ihm das Erbe unserer Familie eine Menge. Ich dagegen wollte lieber frei sein.
»Nun zu dir, Milo«, sagte Urgroßvater. Täuschte ich mich, oder klang er ein wenig unterkühlt?
Als er meinem Dad einen vielsagenden Blick zuwarf, wusste ich, dass da was im Busch war.
Na, großartig …
Uropa reichte mir den Umschlag zögerlich, fast schon widerwillig. »Dein Vater, deine Onkel und ich haben beschlossen, dass du den Salon in Gardenland vorerst zusammen mit Solomon führen wirst.«
Bitte, was?
Mein Großonkel konnte kaum noch einen Finger rühren! Am Rasiermesser war er eine Gefahr für die Allgemeinheit. Ich musste eher auf ihn aufpassen als umgekehrt. Was sollte das also?
»Du bist noch nicht so weit.«
Ich schwieg, während die Worte in meinem Kopf nachhallten.
Ich war noch nicht so weit?
Was sollte das bitte heißen?
Wut keimte in mir auf – ein kleiner Funken, der sich rasch zum Lauffeuer ausbreitete. Ich atmete tief durch und zwang mich zur Ruhe.
Vergeblich.

»Ist das dein verfickter Ernst?« Das letzte Wort spie ich dem Alten so laut ins Gesicht, dass es im Raum nachhallte.
»Milo!«, grollte mein Vater.
»Was!« Ich wirbelte zu ihm herum. »Was ist euer verdammtes Problem?«
»Wir haben unsere Gründe«, sagte Urgroßvater ruhig.
Zu ruhig.
»Und die wären?« Ich verschränkte die Arme vor der Brust und blickte ihn erwartungsvoll an.
»Du bist noch nicht so weit«, wiederholte er.
»Das hast du schon gesagt«, fuhr ich ihn an. »Und es erklärt nichts! Wenn du mich für meine Arbeit kritisieren willst – bitte! Sag mir, was ich falsch gemacht hab. Gib mir konkrete Gründe und spar dir dein vages Gelaber, Mann!«
»Du warst heute früh zu spät«, warf Matt ein. Wieder grinste er schief. Selbstzufrieden. Genau wie am Morgen im Salon.
Was sollte das Ganze?
Was hatte er auf einmal gegen mich?
Mein Bruder und ich waren zwar nie ein Herz und eine Seele gewesen, aber wir liebten uns und waren bisher immer füreinander eingestanden.
Dachte ich zumindest …
Warum wollte er mich unbedingt vor unserer Familie bloßstellen? Sein Verhalten machte mich traurig und wütend zugleich.
»Das war ein Mal!«, fuhr ich ihn an. »Willst du mir da jetzt ‘nen Strick draus drehen? Oder sollen wir mal über deine Unzulänglichkeiten sprechen? Im Gegensatz zu dir kann ich nämlich wenigstens bis zehn zählen!«
»Milo!«, zischte mein Vater erneut.
Sein Blick bohrte sich in meinen, ein klarer Versuch, mich zu bremsen. Blöd nur, dass mir seine Warnung am Arsch vorbeiging.
»Das war fies, Miles«, wisperte Matt. Der Schmerz in seinen Augen versetzte mir einen Stich in die Brust. Sofort taten mir meine Worte leid. Immerhin konnte er nichts für seine Dyskalkulie.
Trotzdem sah ich es nicht ein, zurückzurudern. Ich würde den Schwanz nicht einklemmen und mich bei ihm entschuldigen. Er hatte mir auch wehgetan. Absichtlich. Ich fühlte mich wie ein in die Enge getriebenes Tier. Wen wunderte es da, dass ich um mich schlug?
Matt war kein schlechter Barbier, das nicht. Aber ihm fehlte es an Finesse. Die Kunden mochten seine charmante Art. Er konnte besser mit ihnen umgehen als ich, das musste ich ihm lassen. Doch es machte seine Schwächen nicht wett. Vor allem im kaufmännischen Teil unseres Jobs war er eine Katastrophe.
Das musste doch jeder in unserer Familie sehen – vor allem Urgroßvater, der uns die letzten Wochen unablässig beobachtet hatte.
Wenn also jemand noch nicht bereit war, einen eigenen Salon zu führen, dann war es mein Bruder. Nicht ich.
Dabei wollte ich den Laden in Gardenland nicht mal. Nicht wirklich, jedenfalls. Aber es kratzte an meiner Ehre, dass sie mich für unfähig hielten, und ihn für Mister Perfect schlechthin.
Klar, da sprach auch die Eifersucht aus mir. Immerhin war Matt schon immer anders behandelt worden. Aber genau deshalb ließ ich so nicht mit mir umspringen.
Niemand sagte ein Wort. Alle starrten mich an.
Ich ließ meinen Blick durch den Raum gleiten: von meinem Vater zu meinem Urgroßvater, und schließlich zu Matt; doch niemand schien bereit, das unangenehme Schweigen zu brechen.
Gut. Dann musste ich es eben selbst tun! »Und jetzt?«
Urgroßvater schnalzte mit der Zunge. »Das fragst du noch? Dein kleiner Ausbruch zeigt genau, wo das Problem mit dir liegt, Junge.«
Seine Worte trafen mich wie ein Schlag ins Gesicht. »Mein kleiner Ausbruch war verdammt noch mal gerechtfertigt!« Mit einer schnellen Bewegung schnappte ich die Dokumente vom Tisch und schleuderte sie quer durch den Raum. Die Blätter rutschten aus dem Umschlag und flatterten in alle Richtungen, ehe sie auf dem Boden landeten. »Macht euren Scheiß doch allein!«
Ohne meine Familie eines letzten Blickes zu würdigen, drehte ich mich um, riss die Tür auf und stürmte aus der Wohnung.
Die konnten mich alle mal.

 

[Finding Destiny | Omega Haven, Bd. 2;
Datum der VÖ: 01. August 2025]

© Text & Cover: Amory Beryl
Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung.
Unbezahlte Werbung.

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